Sternenorakel oder Lebenshilfe?

Marktplatzgespräch erwog das Für und Wider der Astrologie

Nach dem Podiumsgespräch gab Monika Korbach (rechts) den Besuchern die Gelegenheit, bei den Experten nachzufragen.

Detmold. „Das Sternenorakel kann ein Weg sein, um mit anderen Menschen in einen Dialog über ihr Gefühlsleben und schicksalhafte Ereignisse einzutreten. Einen Zusammenhang zwischen der Konstellation von Himmelskörpern und dem Schicksal gibt es allerdings nicht“. Diese Ansicht vertrat Pfarrer Christoph Pompe vom Ev. Beratungszentrum (Detmold) beim Marktplatzgespräch zum Thema „Die Sterne lügen nicht!? Astrologie und Glaube“.

Bildungsreferentin Monika Korbach (Lippische Landeskirche) und Pfarrer Dieter Bökemeier (ev.-ref. Kirchengemeinde Detmold-Ost) moderierten das Gespräch am Mittwoch, 9. Mai, mit drei Podiumsgästen im Gemeindehaus am Markt.
Christoph Pompe verneinte, dass die Astrologie, ausgehend vom genauen Geburtszeitpunkt eines Menschen, ein Horoskop erstellen könne, um daraus vorteilhafte bzw. nachteilige Zeitpunkte für geplante Unternehmungen abzuleiten. Pompe: „Die heutige Medizin kann die Geburtsstunde beeinflussen. An Werktagen zwischen 8 und 17 Uhr werden mehr Menschen geboren als zu anderen Zeiten. Die Geburtsstunde richtet sich nach den Dienstplänen der Kliniken und nicht nach den Umlaufbahnen der Planeten. Und wenn die Geburtsstunde planbar ist, dann kann die Astrologie einpacken.“
Annegret Becker-Baumann vom Deutschen Astrologenverband, nach eigenen Angaben seit 1993 „geprüfte Astrologin“, erläuterte, dass Horoskope „symbolisch und potenziell“ zu verstehen seien. Die Astrologie behaupte nicht, dass konkrete Ereignisse aufgrund bestimmter Himmelskörper-Konstellationen zwangsläufig geschähen, aber das Deuten der Sternenstellungen zeige Möglichkeiten auf und stelle Regelmäßigkeiten fest. Die Astrologie betrachte den Himmel als „kosmische Uhr und die Planeten als deren Zeiger“. Je nach Planetenstand gebe es für jeden Menschen ganz individuell günstige und weniger günstige Zeiten, etwas zu tun oder zu unterlassen. Die Astrologie sei eine „Mischung aus Lebenskunst und Philosophie“, so Becker-Baumann. Ihre Tätigkeit als Astrologin beschrieb sie als „Miteinander von Seelsorge, Therapie und Analyse“. Annegret Becker-Baumann: „Gute Astrologie gibt Hilfe zur Freiheit.“
Diplom-Theologin Claudia Knepper von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (Berlin) gab zu bedenken, dass es keine anerkannten wissenschaftlichen Untersuchungen gebe, die einen wie von der Astrologie behaupteten Einfluss der Gestirne auf das Schicksal von Menschen zeigen könnten. Gleichwohl trete die Astrologie wie eine Wissenschaft auf. Claudia Knepper bewertete das Deuten der Sterne und die davon ausgehende Faszination als „Re-Mythologisierung eines eigentlich überwundenen Aberglaubens“. Die Theologin: „Die Astrologie kann ängstlichen Menschen nahelegen, die Welt als magisch-mythischen Zusammenhang wahrzunehmen.“ Das müsse nicht zwangsläufig schädlich sein. Möglicherweise bräuchten manche Menschen das reichhaltige astrologische Symbolsystem, um sich davon „auf die Sprünge helfen zu lassen“. Insofern seien Astrologen, wenn sie sich als Lebensberater verständen, nicht von vornherein Scharlatane. Knepper: „Solche Astrologen besitzen einen ernsthafteren Charakter als andere Anbieter von Lebensdeutungen, die im Markt der Esoterik unterwegs sind.“
 

14.05.2012

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