„Nicht nur predigen, sondern handeln“

Gespräch über die Folgen des Klimawandels in den Ländern des Südens

Longgena Ginting (links) und Richard Madete (Mitte) erläuterten Pfarrer Dieter Bökemeier die schon jetzt feststellbaren Klimaveränderungen in den Ländern des Südens.

Kreis Lippe/Detmold. Dürrebedingte Hungersnot in Somalia, Überschwemmungen in Pakistan: Hauptleidtragende des Klimawandels sind die Menschen im Süden. Auf Einladung der Lippischen Landeskirche und der ev.-ref. Kirchengemeinde Detmold-Ost sprachen Experten am Dienstag, 27. September, im Gemeindehaus am Markt über Folgen und Konsequenzen des Klimawandels.

Gäste auf dem Podium waren unter anderem Richard Madete aus Tansania und Longgena Ginting aus Indonesien. Beide sind im Sommer 2010 von der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) als Klimaberater eingestellt worden, um die VEM-Mitgliedskirchen in Afrika und Asien beim Aufbau von Klimaschutzprojekten zu unterstützen. Die Vereinte Evangelische Mission ist eine internationale Gemeinschaft von 34 Kirchen in Afrika, Asien und Deutschland.
In den Ländern des Südens seien die ärmsten Menschen vom Klimawandel am härtesten betroffen, so Longgena Ginting. Ursache der Klimaveränderung sei der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase in den Industriestaaten. Ginting: „Wir erwarten von den Ländern des Nordens, dass sie ihre Kohlendioxid-Emissionen senken.“ Der falsche Weg, dieses Ziel zu erreichen, seien der weitere Ausbau der Kernkraft und der großflächige Anbau energiehaltiger Pflanzen für Biogas-Anlagen. Die Kernkraftnutzung berge große Risiken. Der Pflanzenanbau zur Biogas-Erzeugung gehe zu Lasten der Lebensmittel-Produktion.
Richard Madete führte aus, dass sich die globale Erwärmung in den vergangenen zehn Jahren beschleunigt habe. Rund zwölf Millionen Menschen seien am Horn von Afrika vom Hunger bedroht. Ursache der Hungersnot in Somalia sei die schlimmste Dürre seit 60 Jahren. Der Bürgerkrieg verschlechtere die Lage zusätzlich. Um den Klimawandel zu stoppen, müsse in erneuerbare Energien investiert werden – sowohl im Norden als auch im Süden, allerdings jeweils standortangemessen. Madete: „Die in Deutschland üblichen Windkraftanlagen kann man in weiten Teilen Afrikas gar nicht aufbauen, weil schon die Straßen fehlen, um sie zu transportieren.“ Afrika sei angewiesen auf angepasste Technologien. Allerdings fehle vielen afrikanischen Staaten das Geld zum Import dieser Techniken.
Der Detmolder Elektroauto-Pionier und -Händler Ursin Wieneke plädierte für Elektromobile, um zumindest einen gewissen Beitrag zur Kohlendioxid-Reduktion zu leisten. Je mehr Ökostrom für den Betrieb eines Elektroautos eingesetzt werde, desto umweltschonender fahre es. Aber selbst wenn der Strom aus konventionellen Kraftwerken stamme, liege der Kohlendioxid-Ausstoß pro Kilometer signifikant unter dem eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor. Ursin Wieneke: „Elektroautos eignen sich für die Fahrt zur Arbeit, zum Einkaufen und für die alltäglichen Besorgungen.“
Gudrun Rehmann, seit Jahren im Umweltschutz aktiv, berichtet, dass sie dem Klimawandel einen radikalen und nachhaltigen Lebenswandel entgegensetzt. So benutze sie nur das Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel, heize die Wohnung weniger als andere oder verwende auch Nahrungsmittel, die ansonsten weggeworfen würden. Denn auch die Nahrungsmittelproduktion setze sehr viel CO2 frei.
Der landeskirchliche Umweltbeauftragte Heinrich Mühlenmeier benannte als bedrohliche Folgen der Klimaerwärmung die sich verschärfenden Wetterextreme: „Kalte Winter werden eisiger, niederschlagsarme Sommer trockener.“ Technische Innovationen, den Energieverbrauch zu verringern, sollte man dort einsetzen, wo es möglich sei; Verzicht üben dort, wo es vertretbar sei. Kirchliche Institutionen würden in der Klima-Diskussion nur dann glaubhaft wahrgenommen„wenn sie Klimaschutz nicht nur predigen, sondern handeln.“


 

30.09.2011

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