Konzentration auf die Mitte

Fortbildung für Mitarbeitende in evangelischen Kindergärten

Religionspädagogische Praxis: Die Konzentration auf die Mitte – hier mit Hilfe eines Seiles dargestellt – gibt den Teilnehmenden Halt.

Kreis Lippe/Dörentrup-Humfeld. Das religionspädagogische Profil in den evangelischen Kindertageseinrichtungen zu entwickeln – das ist Ziel einer neuen Langzeitfortbildung des Diakonischen Werkes. Zum Auftakt trafen sich jetzt mehr als 20 Erzieherinnen und Erzieher aus ganz Lippe im evangelisch-reformierten Gemeindehaus in Humfeld.

Brot wird im Kreis herumgereicht, von dem alle ein Stück essen. Dann schenken sich die Teilnehmenden gegenseitig ein Glas Wasser ein, Pfarrerin Dorothea Brand geht im Kreis herum und zeigt eine brennende Kerze. Brot gegen den Hunger, Wasser gegen den Durst, Licht gegen die Finsternis: ganzheitlich, mit allen Sinnen wahr nehmen, das sind die Grundmethoden der religionspädagogischen Praxis, ein Ansatz der religiösen Erziehung, der in den 70er Jahren entwickelt wurde und zurzeit eine Renaissance erfährt. Dorothea Brand, Pfarrerin in der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Bega, freut sich über das rege Interesse an dem Angebot. Sie und die Leiterin der Kindertageseinrichtung „Himmelszelt“ in Humfeld, Renate Stecker, bieten die Fortbildung „Evangelisch – Profil der Kindertageseinrichtung“ zum ersten Mal auf landeskirchlicher Ebene an. Die beiden sind ein eingespieltes Team: „Wir haben in den vergangenen Jahren zusammen die Ausbildung hierfür in Haus Villigst der Ev. Kirche von Westfalen absolviert“, berichtet Dorothea Brand. Und jetzt wollen beide das, was sie dort gelernt haben, weitergeben an die Erzieherinnen und Erzieher in den evangelischen Kindergärten in Lippe, „damit sie ihre Erfahrungen dann in ihre praktische Arbeit mit den Kindern einbringen können. So wird das evangelische Profil weiterentwickelt.“ 

Zehn Mal wird die Gruppe im ganzen Jahr zusammenkommen. Zum Abschluss erhalten die Teilnehmenden ein Zertifikat. Heute, zum Auftakt, erfahren sie erstmal Grundlegendes über den Ansatz der religionspädagogischen Praxis, in dem die „Mitte“, die eigene und die der Gruppe, eine wichtige Rolle einnimmt: „In der Konzentration auf die Mitte erschließen sich biblische Geschichten, sie werden erlebbar und können in die eigene Wirklichkeit hineintransportiert werden“, erklärt Dorothea Brand. Ganzheitliches Wahrnehmen, Konzentration auf die Mitte – aus Wasser, Brot, Licht und einem kleinen Haus aus Legosteinen gestalten die Teilnehmenden in der Mitte ihres Kreises ein Bodenbild. Es sind Bilder aus Psalm 23, „Der Herr ist mein Hirte“, die dort auf Tüchern auf dem Boden entstehen und  interpretiert werden. Der biblische Psalm – einmal anders, mit allen Sinnen für Kinder, aber auch für Erwachsene erfahrbar. 

Das nächste Mal trifft sich die Gruppe im Februar. Dann wird es um Passion und Ostern gehen. „Wir bearbeiten die großen Themen des Kirchenjahres, zum Beispiel Ostern, Pfingsten und Advent, mit drei bis vier Wochen Vorlauf. Unsere Teilnehmenden können ihre Erfahrungen dann gleich in ihren Einrichtungen umsetzen und weitergeben“, erläutert Pfarrerin Brand. So werden die biblischen Geschichten mit Leben gefüllt – nicht nur für die Kinder in den evangelischen Kindergärten.

24.01.2006

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