Orgelsommer wird ökumenisch

Konzertreihe wurde eröffnet in der katholischen Kirche Heilig Kreuz in Detmold

Ökumenische Eröffnung: Präses Michael Stadermann, Pfarrer Christian Ritterbach, Heimatbundvorsitzender Friedrich Brakemeier, Kirchenmusiker Gregor Schwarz und Pfr. i.R. Karl-Heinrich Brinkmann (von links) begrüßten rund 200 Gäste in der Kirche Heilig Kreuz.

Kreis Lippe/Detmold. Der „Lippische Orgelsommer“ wird ökumenisch. In der katholischen Kirche Heilig Kreuz am Schubertplatz in Detmold begann jetzt mit einem Orgelkonzert und einer Kirchenbesichtigung die beliebte Veranstaltungsreihe. Bis Anfang September lädt jeden Sonntag eine andere Kirche ein. Die Reihe wird von der Lippischen Landeskirche und dem Lippischen Heimatbund bereits zum sechsten Mal veranstaltet.

Michael Stadermann, Präses der Lippischen Landessynode, freute sich bei der Begrüßung der rund 200 Gäste über den „ökumenischen Beginn“ des Orgelsommers 2011. Heimatbundvorsitzender Friedrich Brakemeier wertete die erstmalige evangelisch-katholische Zusammenarbeit als „möglicherweise richtungsweisend für kommende Orgelsommer-Reihen“. Die neue, am 10. Oktober 2010 geweihte Schuke-Orgel der Hochschule für Musik Detmold in der Heilig-Kreuz-Kirche sei in klanglicher Hinsicht ein „Kunstwerk“, so Brakemeier. Die Besucher des Auftakt-Konzertes dürften sich auf ein „musikalisches Erlebnis“ freuen.
Bevor Kirchenmusiker Gregor Schwarz Orgelwerke von Bach, Liszt, Böhm, Gardony und Boellmann spielte, zeichneten Pfarrer Christian Ritterbach und sein Vorgänger, Pfarrer i.R. Karl-Heinrich Brinkmann, die Geschichte der katholischen Gemeinde in Detmold lebendig nach. Nachdem es nach der Reformation in Detmold kein katholisches Leben mehr gab, berichtete Brinkmann, wurde im Jahre 1897 wieder eine katholische Gemeinde gegründet. Insbesondere nach 1945 wuchs in Detmold die Zahl der Katholiken, von denen viele Kriegsflüchtlinge aus den Ostgebieten waren. Schon 1917 hatte die katholische Gemeinde für einen geplanten Kirchenbau ein Grundstück am Schubertplatz erworben. Die Inflation der 1920er Jahre und dann der Zweite Weltkrieg verhinderten den Neubau. Erst am 11. März 1951 wurde die neue Heilig-Kreuz-Kirche am Schubertplatz vom Paderborner Erzbischof Lorenz Jaeger geweiht.
Brinkmann erläuterte, dass der überragende Kirchschmuck das mit Silberarbeiten, Edelsteinen und Bergkristallen verzierte Altarkreuz sei. Geschaffen habe es die Goldschmiedin und Kunstprofessorin Elisabeth Treskow (1898 - 1992), die von 1943 bis 1948 in Detmold lebte. Eine der populärsten Arbeiten Elisabeth Treskows sei sicherlich die „Meisterschale“ des Deutschen Fußballbundes, die sogenannte „Salatschüssel“, die Treskow mit ihren Studenten an den Kölner Werkschulen 1949 anfertigte.
Im Orgelkonzert des Nachmittags stellte Gregor Schwarz das mit atemberaubenden Klangfarben und technischen Raffinessen ausgestattete Meisterwerk aus der Berliner Orgelwerkstatt Karl Schuke vor. Die für 1,25 Millionen Euro erbaute Orgel ist mit ihren mehr als 4.000 Pfeifen ausgerichtet auf das Klangideal der deutschen und französischen Romantik. Ihre vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten erlauben jedoch auch das Spiel barocker Orgelliteratur, die einen gravitätischen Klang benötigt. Mit seiner Werkauswahl trug Gregor Schwarz dem Klangspektrum der Schuke-Orgel Rechnung. Das Programm führte vom Barock mit Johann Sebastian Bachs berühmter „Toccata und Fuga d-Moll“ über eine sehr lyrische „Ave Maria“-Improvisation Franz Liszts bis zu Leon Boellmanns „Suite gothique“, einem Meisterwerk der romantischen französischen Orgelmusik des 19. Jahrhunderts.

27.07.2011

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