Der Wald als Teil der Schöpfung

Ev. Bauerntag entdeckt beim Waldspaziergang biblische Wahrheiten

Auf dem Eikberg erläuterte Ulrich Junginger rund 100 Besuchern des Ev. Bauerntages den dortigen Forstbestand.

Kreis Lippe/Bad Salzuflen-Bergkirchen. Ein Waldspaziergang auf dem Eikberg nahe der Kirche in Bergkirchen war Mittelpunkt des Evangelischen Bauerntages der Lippischen Landeskirche am Sonntag, 3. Juli. Förster Ulrich Junginger vom Regionalforstamt Ostwestfalen-Lippe erläuterte den rund 100 Teilnehmenden „Biblische Wahrheiten im Wald entdeckt“.

Der Wald als Teil der Schöpfung sei ebenso zu bebauen und zu bewahren wie die anderen Teile auch, erklärte Junginger. Dieser Erkenntnis trügen die privaten und öffentlichen Waldbesitzer seit gut 200 Jahren Rechnung. Im Forstbetriebsbezirk Lage, der die Orte Lage, Leopoldshöhe und Bad Salzuflen umfasst, würden täglich etwa 50 Kubikmeter bzw. zwei Lkw-Ladungen Holz eingeschlagen. Genauso viel Holz wachse Tag um Tag nach. Junginger: „Früher verstanden die Menschen den Wald als einen sich nie leerenden Schrank, aus dem man sich auf alle Zeit bedienen könne. Aber eine sich beschleunigende Industrialisierung und eine zunehmende Bautätigkeit erzwangen ein Umdenken.“
Schon die Bibel berichte von der großen Bedeutung des Waldes. Der erste im Alten Testament erwähnte Baum sei der „Baum der Erkenntnis“ im Paradies. Noah habe seine Arche aus Tannenholz gebaut und sie mit Pech abgedichtet, was auch unbedingt notwendig gewesen sei, denn Tannenholz sei wenig wasserdicht. Die Bundeslade, in welcher die zwei Gebotstafeln gleichsam als Urkunde des zwischen Gott und Israel geschlossenen Bundes aufbewahrt wurden, sei aus Akazienholz gefertigt worden. Sicherlich eine kluge Entscheidung, so Junginger, denn Akazienholz zeichne sich durch eine enorme Festigkeit und Haltbarkeit aus und sei härter als Eiche.
Vor allem das Holz der Zeder, die in biblischen Zeiten an den Hängen des Libanon verbreitet war, habe wegen seiner ausgezeichneten Qualität, seiner Widerstandsfähigkeit gegen Schädlinge und wegen seines Duftes zu den wertvollsten Baumaterialien gezählt. Das gelb-rötlich gefärbte Zedernholz wurde vor allem zum Bau von Tempel- und Palastanlagen benutzt, wie der Baubericht des Salomonischen Tempels zeige.
In Ostwestfalen-Lippe seien Fichte, Lärche, Esche, Linde, Eiche und Buche von forstwirtschaftlicher Bedeutung, führte Junginger auf dem Waldspaziergang seine Begleiter wieder in die Gegenwart zurück. Anhand einiger Waldbilder erläuterte er die Besonderheiten dieser Baumarten. Der Wald in Lippe bestehe zu etwa 60 Prozent aus Laub- und zu 40 Prozent aus Nadelbäumen. Ulrich Junginger: „Das ist eine standortentsprechende und relativ entspannte Situation.“
Franz Stockmann, Leiter des Regionalforstamts, ergänzte, dass die in der biblischen Schöpfungsgeschichte berichtete Aufforderung an die Menschen, sich die Erde untertan zu machen, auch hinsichtlich der Waldbewirtschaftung nicht missverstanden werden dürfe. Es gehe um die Verantwortungsfähigkeit und die Verantwortungspflicht des Menschen. Stockmann: „Wald ist unverzichtbar. Deshalb gehen die Waldbesitzer in der Regel verantwortungsvoll und fürsorglich mit ihm um - wie ein Hirte mit seiner Herde.“
Tobias Treseler, Kirchenrat der Lippischen Landeskirche, erinnerte abschließend daran, dass ein nachhaltiger und verantwortlicher Umgang mit der Schöpfung zu den wichtigen christlichen Aufgaben gehöre. Angesichts vieler Herausforderungen und mancher Zukunftsängste sei es gut, sich an die verlässliche und stärkende Zuwendung Gottes zu seiner ganzen Schöpfung zu erinnern.

05.07.2011

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