Kampagne für „saubere Kleidung“

Arbeit zu Hungerlöhnen verhindern

Sie gestalteten den Informationsabend: Übersetzerin Mareike Frering (Christliche Initiative Romero), Monserrat Arévalo (Mujeres Transformando), Norbert Koch (Pax Christi) und Helmut Haybach (Eine-Welt-Kreis Lemgo) (von links).

Detmold. „Niemand kann von so einem Gehalt leben. Die Frauen bleiben permanent in ihrer Armut gefangen!“ Monserrat Alévaro aus El Salvador nahm am vergangenen Montag (23. Mai) kein Blatt vor den Mund. Die Psychologin und Geschäftsführerin bei der Frauenorganisation Mujeres Transformando war zu Gast im evangelisch-lutherischen Gemeindehaus, um von den Arbeitsbedingungen mittelamerikanischer Näherinnen zu berichten. Diese schufteten oftmals zu Hungerlöhnen in Bekleidungsfabriken, die als Zulieferer für bekannte Sportartikelhersteller in Europa und Nordamerika dienen. Eingeladen zu der Veranstaltung hatten der Eine-Welt-Kreis Lemgo, der Eine-Welt-Laden Alavanyo und die Pax-Christi-Gruppe aus Detmold.

Mujeres Transformando ist eine Organisation, die sich für die Einhaltung von Arbeitsrechten in den Weltmarktfabriken einsetzt. Der Besuch in Detmold bildete den Auftakt zu einer Informationsreise durch Deutschland anlässlich der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen im Juni. Alle großen Sportartikelhersteller würden sich bei solchen Großveranstaltungen von ihrer besten Seite zeigen, erklärte Monserrat Arévalo. Dabei werde oft vergessen, unter welchen Bedingungen die Kleidung in Asien oder Mittelamerika hergestellt werde. Auch die Situation der Arbeiterinnen in El Salvador sei unwürdig, erklärte die Salvadorianerin, deren Ausführungen von Mareike Frering von der Christlichen Initiative Romero ins Deutsche übersetzt wurden. Die Fabriken zahlen demnach oft nur einen Stundenlohn von unter einem Euro, die Arbeits- und Umweltschutzauflagen sind gering und Arbeitsrechtsverletzungen an der Tagesordnung. Wer zum Beispiel versuche, eine Gewerkschaft zu gründen, werde sofort gefeuert. Auch an der Arbeitssicherheit wird laut Arévalo gespart. Die Frauen in den Fabriken säßen „eingepfercht wie in einer Sardinenbüchse.“ Weil es an Schutzkleidung fehle, atmeten die Näherinnen ungesunde Stoffe ein. Der hohe Lärmpegel führe zu Hörschäden.
Monserrat Arévalo berichtete unter anderem über die Situation bei der Zulieferfirma Ocean Sky in El Salvador, über die Mujeres Transformando im Februar eine Untersuchung veröffentlicht hat. Demnach ist die Fabrik, die sich in einer Freihandelszone befindet, mit Stacheldraht umzäunt und wird von bewaffneten Wachen patrouilliert. Der Produktionsdruck ist hoch: Aus Angst, das Soll nicht zu erfüllen, arbeiten viele Näherinnen unbezahlt in ihrer Mittagspause weiter. Auch werden die Frauen von Aufseherinnen beleidigt und gedemütigt. Den weiteren Angaben nach ist das Trinkwasser in der Fabrik mit Bakterien kontaminiert, die Durchfall, Darmkrankheiten und Infektionen auslösen können.
Inzwischen habe Ocean Sky einige Verbesserungen für die Arbeiterinnen umgesetzt, erklärte Arévalo. So sei die Belüftung verbessert worden. „Überstunden sind nicht länger verpflichtend.“ Zudem wolle die Fabrik die Qualität des Trinkwassers erhöhen. Am Gehalt der Näherinnen habe sich aber bislang nichts verändert, machte die Salvadorianerin klar. Von einem Sporttrikot, das in den USA für 25 Dollar verkauft wird, erhalte die Arbeiterin acht Cent, kritisierte sie. „Niemand kann davon leben.“
Arévalo forderte, dass die Sportartikelhersteller bessere Arbeitsbedingungen durchsetzen, soziale Mindeststandards entlang ihrer Beschaffungswege schaffen und von Repressalien betroffene Arbeiterinnen unterstützen. Konsumenten sollten sich beim Kauf von Sportkleidung so gut wie möglich über die Umstände der Herstellung informieren und die Kampagne „Saubere Kleidung“ unterstützen, riet sie. Nach der Veranstaltung hatten die Besucher noch die Möglichkeit, sich das Angebot des Eine-Welt-Ladens Alavanyo anzusehen.

26.05.2011

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