„Briefe sind lebendig“

Band mit Rundbriefen Dietrich Bonhoeffers und seiner Seminaristen in Arbeit

Elma Berendts, Dr. Ilse Tödt, Bischof i.R. Heinz-Joachim Held und Pfarrer Claus Wagner

Kreis Lippe/Detmold. „Diese Briefe sind etwas so Lebendiges, sie werfen ein anderes Licht auf die Finkenwalder Seminare.“ Dr. Ilse Tödt, Mitherausgeberin der Werke Dietrich Bonhoeffers gerät ins Schwärmen, wenn sie von den Rundbriefen spricht, die während und auch noch Jahre nach dem illegalen Predigerseminar der Bekennenden Kirche (1935-1937) entstanden sind.

Erstmals ist nun ein Buch in Arbeit, das sämtliche Briefe und Begleitmaterialien bis 1946 zusammenfasst. Einer der Herausgeber ist Pfarrer Otto Berendts, der 30 Jahre lang mit seiner Frau Elma in Detmold gelebt hat und vor anderthalb Jahren im Alter von 98 Jahren gestorben ist. Er war der letzte lebende Zeitzeuge des illegalen Predigerseminars in Finkenwalde, das von einem der bedeutendsten evangelischen Theologen des 20. Jahrhunderts, Dietrich Bonhoeffer, geleitet wurde. Bonhoeffer hatte sich aktiv am Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligt und war 1945, kurz vor Kriegsende, im KZ Flossenbürg von der SS ermordet worden.
„Otto Berendts war in Finkenwalde Teilnehmer an Kurs 4“, erklärt Ilse Tödt. „Das Buch wird auch einen Zeitzeugenbericht von ihm enthalten.“
Der ehemalige Oberkirchenrat im kirchlichen Außenamt der EKD war es auch, der die kompletten Materialien aus der Finkenwalder Zeit, die der Theologe und Freund Bonhoeffers, Eberhard Bethge, aufgehoben hatte, auf rund 500 Seiten abtippen ließ. Dies ist die Grundlage für das neue Buch, an dem außerdem Dr. Karl Martin, Vorsitzender des Dietrich-Bonhoeffer-Vereins, und Dr. Ilse Tödt beteiligt sind.
Grund für das Projekt ist, dass in der Bonhoeffer Gesamtausgabe (erschienen 1986-1999) bisher nur die Rundbriefe vorkommen, die Bonhoeffer selbst verfasst hatte. Die Briefe werfen ein anderes Licht auf die Seminare, die längst nicht so streng gewesen seien, wie es lange Zeit hieß, so Dr. Tödt: „Sie zeigen, dass Bonhoeffer seinem Lehrideal nahe kam, dass er die Leute frei machte zu eigenem theologischen Denken und eigener Lebensgestaltung.“
Wann das Buch erscheinen wird, ist noch nicht klar. Dr. Ilse Tödt gab jetzt einen Überblick über die Finkenwalder Rundbriefe anlässlich einer Feier in Erinnerung an den Mitherausgeber Otto Berendts, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. Viele Weggefährten aus den Kirchengemeinden, in denen der Pfarrer gearbeitet hatte, waren zu Gast. Elma Berendts: „Es soll auch ein Dank-Tag an die Gemeinden sein, die meinem Mann viel gegeben haben.“ So wie die lutherische Kirchengemeinde in Hiddesen, „in der wir uns 30 Jahre lang sehr wohl gefühlt haben“. Gemeindehaus und Kirche St. Michael waren Ort der Feier. Die Andacht hielt Bischof i.R. Dr. Heinz-Joachim Held, die Kollekte des Gottesdienstes kommt der Japan-Hilfe und der Arbeit mit Kindern in der Hiddeser Gemeinde zugute. Elma Berendts: „Das war meinem Mann und das ist auch mir ganz wichtig, dass Kinder mit dem Halt des christlichen Glaubens und einer Kirchengemeinde aufwachsen“.

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