Ein Lehrer aus Leidenschaft

Melanchthon-Biograf Uwe Birnstein auf dem Schulleiterbegegnungstag

Landespfarrer Tobias Treseler (rechts) und Präses Michael Stadermann (links) begrüßten die leitende Regierungsschuldirektorin Johanne Nau-Wiens und den Melanchthon-Biografen Uwe Birnstein auf der Schulleiterbegegnungstagung.

Kreis Lippe/Detmold. Der Humanist Philipp Melanchthon (1497-1560) war zwar von kleiner und zarter Gestalt, gehörte aber zu den Großen der Reformationszeit. Unterhaltsam und zugleich theologisch versiert führte der Journalist und Theologe Uwe Birnstein auf der Schulleiterbegegnungstagung der Lippischen Landeskirche (Montag, 29. November) in das Leben und Werk des humanistischen Reformators und leidenschaftlichen Lehrers ein.

Landespfarrer Tobias Treseler unterstrich in seiner Begrüßung, dass Melanchthon zu seiner Zeit eine treibende Kraft sowohl der Kirchenerneuerung als auch der Reform des Erziehungswesens war. Es sei ein wesentliches Ziel der Reformation gewesen, die Menschen zu bilden. Dies sei von den Zeitgenossen Luthers und Melanchthons auch so verstanden worden, was zum Erfolg der Reformation erheblich beigetragen habe.
Uwe Birnstein erläuterte, dass Philipp Melanchthon als Humanist Bildung als „Bollwerk gegen Barbarei“ verstanden habe: „Für Melanchthon war Bildung mehr als Wissen.“ Die Spruchweisheit, dass nicht für die Schule, sondern für das Leben gelernt werden solle, habe er nach seiner Berufung an die Universität Wittenberg beim Wort genommen. In seiner Antrittsvorlesung im Jahr 1518 sprach er sich für eine Universitätsreform aus und zeichnete ein düsteres Bild der Bildung vergangener Jahrhunderte. Das trug ihm die Sympathie und schließlich die Freundschaft Luthers ein. Als Reformer des Bildungswesens habe er in Luther eine ergänzende Persönlichkeit gefunden, die für die Erneuerung der Kirche eintrat, so Birnstein.
Melanchthon wirkte mit an Luthers Bibelübersetzung. Beide seien sich einig gewesen, dass die übersetzte Bibel „Volkseigentum“ werden müsse. Hinsichtlich ihrer theologischen Zusammenarbeit könne Melanchthon als der diplomatischere Protestant gewertet werden. Während Luthers Äußerungen zuweilen als grob und polternd wahrgenommen worden seien, hätte Melanchthon leisere und mildere Worte gewählt. Wie Luther sei es auch dem gelehrten Humanisten darum gegangen, „das protestantische Anliegen unüberhörbar zu formulieren“, doch Melanchthon habe auf jeden Fall den Zusammenhalt der Kirche wahren wollen. „Dialogfähig und sachlich bleiben“ sei ein Charakterzug und ein Anliegen des Wittenberger Professors gewesen. Dies sei bei der Abfassung des „Augsburger Bekenntnisses“ (1530) deutlich geworden. Lese man das diese Schrift vor dem Hintergrund der damals heranziehenden Glaubensauseinandersetzungen, erscheine Melanchthon als der „Ökumeniker der Reformation“, der seiner Zeit weit voraus war.

02.12.2010

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