„Gemeinsam unterwegs“

Rechenschaftsbericht des Landeskirchenrates beschreibt künftige Aufgaben


Kreis Lippe/Detmold. Zum Auftakt der Lippischen Landessynode im Landeskirchenamt in Detmold hat Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann am Montag, 22. November, den Rechenschaftsbericht des Landeskirchenrates vorgelegt. Neben dem Rückblick auf die landeskirchliche Arbeit der vergangenen vier Jahre zeigt der Bericht Notwendigkeiten für die Zukunft auf.

So seien im Perspektivprozess der Lippischen Landeskirche für die Zeit zwischen 2012 und 2017 auf dem Weg zur weiteren Eigenständigkeit „Hausaufgaben“ gemacht worden. Entscheidungen über das Tagungshaus Stapelage, die Theologische Bibliothek oder Strukturen des Landeskirchenamtes seien durch die Synode getroffen worden. Eins sei bisher allerdings unerledigt, so Dutzmann: „Die Synode muss nicht nur definieren, welche Verpflichtungen die Landeskirche innerhalb Lippes und besonders gegenüber den lippischen Kirchengemeinden und ihren Gliedern hat. Sie muss auch das Verhältnis der Lippischen Landeskirche zur EKD und ihren Gliedkirchen, insbesondere den benachbarten, bestimmen. Wo benötigt die Lippische Landeskirche die Unterstützung anderer, um ihrem Auftrag nachkommen zu können?“ Und umgekehrt, wie viel Mitarbeit (und Mitfinanzierung) auf überregionaler und ökumenischer Ebene könne von der Lippischen Landeskirche mit Recht erwartet werden? Zu diesen Fragen werde sicher noch einmal der Kontakt mit Vertreterinnen und Vertretern der EKD zu suchen sein.

Pfarrstellenreduzierungsplan
Dem Ziel, bis zum 31. Dezember 2012 so viele Gemeindepfarrstellen eingespart zu haben, dass pro voller Pfarrstelle 2.500 bzw. in der lutherischen Klasse 2.375 Gemeindeglieder betreut werden, habe sich die Landeskirche inzwischen deutlich angenähert.* Das sei der Bereitschaft der Pfarrinnen und Pfarrer zu verdanken, Zusatzaufträge zu übernehmen. Dennoch sei der Dienstumfang teilweise noch deutlich höher, als er nach der Verhältniszahl sein dürfte. Die Bereitschaft zum Zusatzauftrag in einer anderen Gemeinde oder an einer Schule sei da, aber nicht, die Stelle zu wechseln: „Das führt dazu, dass wir trotz des Überhangs nicht mehr alle frei gewordenen Pfarrstellen besetzen können.“
Mit anderen Landeskirchen, die ähnliche Probleme haben, würden Gespräche geführt mit dem Ziel, die Grenzen durchlässig zu machen. Um angesichts der Lage der Versorgungskasse und der demographischen Entwicklung keine vermeidbaren finanziellen Risiken einzugehen, sei dies aber nicht vor dem 1. Januar 2013 geplant. Bis dahin sollten die Vakanzen weiterhin von Pfarrerinnen und Pfarrern verwaltet werden, die im Rahmen des Pfarrstellenreduzierungsplans rechnerisch noch freie Kapazitäten haben.

Pfarramtliche Verbindungen und Fusionen
Darüber hinaus werde die Landessynode künftig überlegen müssen, ob sie Gemeinden, die 1.250 Gemeindeglieder und weniger haben, zu strukturellen Maßnahmen wie pfarramtlicher Verbindung oder Fusion verpflichten wolle, damit der Pfarrdienst langfristig und verlässlich von einer Person getan werden könne.

Für das Theologiestudium werben
Weiterhin müsse wieder für das Theologiestudium geworben werden. Zurzeit habe die Lippische Landeskirche 11 Studierende der Theologie, eine Vikarin und keinen Pastor/in im Hilfsdienst: „Das reicht bei weitem nicht, um unseren Bedarf zu decken, und wir können auch nicht damit rechnen, zu gegebener Zeit Pfarrerinnen und Pfarrer aus anderen Landeskirchen in ausreichender Zahl abwerben zu können.“

Initiativen und Aktivitäten
Trotz der sich verändernden äußeren Bedingungen habe es eine Fülle von „Initiativen und Aktivitäten, von Ideen und Projekten“ in Lippe gegeben. Unter anderem hob Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann das Projekt „Pilgern in Lippe“ des Referates für Jugend-, Frauen- und Bildungsarbeit, die Bläserarbeit in der Lippischen Landeskirche und die verschiedenen Jahresthemen von „Hauptsache gesund?!“ bis „…und vergib uns unsere Schuld“ hervor.

Diskurs Migration und Integration
Die emotional geführten Debatte zur Zuwanderung zeige deutlich, dass es höchste Zeit sei für einen unaufgeregten und differenzierten Diskurs über Migration und Integration mit dem Ziel eines breiten gesellschaftlichen Konsenses: „Die Kirchen werden in diesem Diskurs beharrlich daran erinnern, dass der Umgang mit fremden Menschen nicht allein unter wirtschaftlichen und sozialen, sondern auch unter theologischen Aspekten zu betrachten ist.“ In 5. Mose 10,18 heiße es „Der Herr hat die Fremdlinge lieb“ und im Neuen Testament sage Jesus „Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.“ (Matthäus 25,35). Vor dem Hintergrund des biblischen Zeugnisses sei jeder Versuch „zwischen Migrantinnen und Migranten erster und zweiter Klasse zu unterscheiden und erst recht die Behauptung genetischer Ursachen für solche angeblichen Differenzen nicht nur als friedensgefährdend, sondern als blasphemisch zurückzuweisen.“

*Bis zum 31.12.2012 soll es 78,35 Gemeindepfarrstellen geben. Aktueller Stand sind 87,01 Pfarrstellen. Seit 2006 sind 17,99 Stellen reduziert worden. (Stand 2006: 105,00.)

22.11.2010 birgit brokmeier

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