Durch Begegnung zum Verständnis

Christuskirchengespräch beschäftigte sich mit „Integration in Detmold“

Peter Emmrich, Abdullah Caliskan, Stefan Fenneker und Dr. Katharina Neufeld (von links) sprachen über ihre Erfahrungen mit und als Migranten in Detmold.

Detmold. Sprache, Bildung, Vorurteile - um diese Themen kreiste das Podiumsgespräch „Integration in Detmold“ am Dienstag, 2. November, in der Christuskirche. Als Moderatoren diskutierten Pfarrer Nils Huchthausen und Frank Huismann vom Naturwissenschaftlichen und Historischen Verein mit Stefan Fenneker (Stadt Detmold), Peter Emmrich (ev.-ref. Kirchengemeinde Detmold-West), Dr. Katharina Neufeld (Leiterin des russlanddeutschen Museums Detmold) und Abdullah Caliskan (DITIB Moscheegemeinde Detmold).

Die Frage, ob er integriert sei, empfinde er als „komisch und seltsam“, sagte Abdullah Caliskan. Er lebe seit 30 Jahren in Deutschland, gehe jeden Tag zur Arbeit, spreche Deutsch und schaue zusammen mit seiner Familie sowohl deutsches als auch türkisches Fernsehen - je nach Programmangebot. „Bin ich integriert?“ stellte Caliskan in den Raum und gab selbst die Antwort: „Für meine Familie und mich sage ich: Wir leben modern und angemessen.“ Er wolle seinen Kindern und eventuellen Enkeln nicht vorschreiben, dass diese sich eines Tages als Deutsche fühlen sollten. Das sei deren Entscheidung, aber er hoffe, dass sie sich ihre Religion bewahrten. Mehr voneinander zu wissen, fördere das gute Miteinander, ermutigte Caliskan zu Begegnungen zwischen Türken und Deutschen. Aber hier sei noch viel Arbeit zu leisten: „Beim Tag der offenen Moschee am 3. Oktober haben uns in Detmold nur zwei Leute besucht. Das war für uns eine Enttäuschung.“
Für Dr. Katharina Neufeld steht fest, dass es sowohl ihr Ziel als auch das der meisten Russlanddeutschen sei, sich sozial und kulturell vollkommen in die deutsche Mehrheitsgesellschaft einzufügen. Neufeld: „Ich wünsche mir für meine Enkel, dass sie Deutsche und keine Minderheit sind.“ Die russlanddeutsche Kultur werde sich verwandeln in eine „Erinnerungs- bzw. Museumskultur“ ohne ausschlaggebende Bedeutung für den Alltag. Aus jahrzehntelanger leidvoller Erfahrung wüssten die aus der ehemaligen Sowjetunion stammenden Aussiedler, dass ein Leben als wenig akzeptierte Minderheit nicht erstrebenswert sei.
Peter Emmrich gab zu bedenken, dass die „gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben“ Ziel jeder Integration sein müsse. Voraussetzung der Teilhabe seien „gleiche Bildungschancen für alle“. Emmrich: „Kinder und Jugendliche sind Dreh- und Angelpunkt der Integration. Die Politik muss das Geld liefern, damit Leute für die Integrationsarbeit angestellt werden können.“ Integrationshemmend in Detmold sei der Umstand, dass es in der Stadt „viel zu wenig Industrie“ gebe. Das erschwere den Einstieg ausländischer Jugendlicher und Erwachsener in den Arbeitsmarkt, der per se integrationsfördernd sei. Emmrich appellierte an die Detmolder Bürger, ihrerseits auf die Ausländer zuzugehen: „Integration ist keine Einbahnstraße.“
Stefan Fenneker, Integrationsbeauftragter der Stadt Detmold, unterstrich die Bedeutung eines auskömmlichen Arbeitseinkommens: „Die besonderen Herausforderungen im Stadtteil Herberhausen sind kein Migranten- sondern ein Armutsproblem.“ Als Integrationsbeauftragter könne er keine Arbeitsplätze schaffen, aber durch eine ortsnahe Beratung in den entsprechenden Wohnvierteln jugendliche Migranten auf Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten aufmerksam machen. Wem an einem guten Miteinander von Einheimischen und Migranten gelegen sei, dem empfehle er die ehrenamtliche Mitarbeit in Integrationsprojekten. Davon gebe es mehrere in Detmold. Wer sich dort engagieren wolle, werde angeleitet und begleitet.

05.11.2010

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