Umbruch als Chance

Diskussion über kirchliche Angebote in Zeiten des Sparens

An die Podiumsdiskussion schloss sich eine rege Diskussion im sehr gut besuchten Gemeindehaus an. Bildungsreferentin Monika Korbach (stehend) und Pfarrer Dieter Bökemeier moderierten.

Kreis Lippe/Detmold. „Wir müssen sparen, aber wir dürfen uns nicht lähmen lassen.“ Für Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann sind „Ergänzungen zur Ortskirchengemeinde“ geeignete Möglichkeiten, um mit dem Evangelium mehr Menschen zu erreichen.

Während des von Monika Korbach (Bildungsreferentin der Lippischen Landeskirche) und Pfarrer Dieter Bökemeier (ev.-ref. Kirchengemeinde Detmold-Ost) moderierten „Marktplatzgespräches“ zum Thema „(H)ausverkauf der Kirche? Vom Umgang mit dem weniger werdenden Geld“ im Gemeindehaus am Markt in Detmold nannte Dr. Dutzmann als ermutigende kirchliche Ergänzungsangebote u.a. das Pilgerwegprojekt der Lippischen Landeskirche, die Krankenhaus- und Notfallseelsorge, die Prädikantenausbildung und die in Posaunenchören geleistete Jugendarbeit. Diese verkündigungsähnlichen Formen kirchlicher Angebote erreichten oftmals Menschen, die sich vom traditionellen Gottesdienst weniger angesprochen fühlten.
Dutzmann stimmte mit Superintendent Dirk Hauptmeier (ev.-ref. Kirchengemeinde Voßheide) darin überein, dass ergänzende kirchliche Angebote nicht zu Lasten der verlässlichen seelsorgerlichen Begleitung der Gemeindeglieder gehen dürften. Gleichwohl sollten Gemeinden und Kirchenvorstände sich bemühen, durch ehrenamtliche Arbeit die Pfarrerinnen und Pfarrer dort zu entlasten, wo es möglich und sinnvoll erscheine, zum Beispiel beim Besuchen von Altersjubilaren.
Die Bielefelder Kirchenälteste Stephanie Mense berichtete von der 2005 vollzogenen, finanzbedingten Fusion zweier Bielefelder Kirchengemeinden und den sich daran anschließenden Protestaktionen, als zwei Jahre später die Paul-Gerhardt-Kirche an die jüdische Kultusgemeinde verkauft wurde. Der Streit hätte vielleicht vermieden werden können, wenn man sich vor Verschmelzung und Verkauf darauf besonnen hätte, „was den Kern einer Kirchengemeinde ausmacht“. Bestehe darüber größtmögliche Einigkeit, entstehe möglicherweise auch nicht ein Gegensatz zwischen „Ortskirchengemeinde und Projektkirche“, so Mense.
Die erfolgreiche Ansprache neuer Zielgruppen und die Auflage, mit weniger Geld auskommen zu müssen, schließen sich nicht aus, meinte Pfarrer Michael Dettmann. Als Vertreter der „Creativen Kirche“ des ev. Kirchenkreises Hattingen-Witten erläuterte er, wie nach dem Zusammenlegen von Gemeinden in Hattingen-Witten die „Creative Kirche“ als „eine Art von Projektgemeinde“ entstand. Sie sei aus der Jugendarbeit des Kirchenkreises als musikmissionarische Bewegung hervorgegangen, deren Angebote mittlerweile alle Generationen erreichten. Das bekannteste Projekt sei wohl die Verwirklichung des Pop-Oratoriums „Die 10 Gebote“. Seiner Einschätzung nach, so Dettmann, sei der in Hattingen-Witten vollzogene Umbruch als Chance wahrgenommen worden, Kirche neu zu gestalten: „Die Creative Kirche wird inzwischen als wohltuende Ergänzung erlebt.“ Michael Dettmann: „Die Fragestellung ist: Wie können wir Gemeinden ausstatten, dass sie selbst missionarisch wirken?“ Unerlässlich sei, dass jede Gemeinde, ob Orts- oder Projektgemeinde, ihren Mitgliedern das Gefühl vermittle, willkommen zu sein.

23.09.2010

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