Arbeitsplätze statt Almosen

Welthaus-Referent: Länder des Südens können von Globalisierung profitieren

Pfarrer Nils Huchthausen von der reformierten Kirchengemeinde Detmold-West (rechts) begrüßte Georg Krämer vom Welthaus Bielefeld im Gemeindehaus Karolinenstraße. Das Welthaus ist ein entwicklungspolitischer Verein, der sich u.a. für eine sozial gerechte Weltwirtschaftsordnung einsetzt.

Kreis Lippe/Detmold. „Die Menschen in den Ländern des Südens sind nicht ausschließlich Verlierer der Globalisierung. In China, Indien, Indonesien und anderen asiatischen Ländern ist die Armut in den vergangenen 30 Jahren sehr zurückgegangen.“ Laut Georg Krämer, Bildungsreferent des Welthauses Bielefeld, hat die mit der Globalisierung einhergehende weltweite Wettbewerbswirtschaft Schwellenländern die Möglichkeit gegeben, den Wohlstand ihrer Bevölkerung zu mehren.

Es habe allerdings nicht jedes Entwicklungsland und nicht jede Bevölkerungsgruppe von der Globalisierung profitiert, erläuterte Krämer während seines Vortrages „Geiz - fair oder unfair?“ auf Einladung der ev.-ref. Kirchengemeinde Detmold-West. Wenn deutsche Konsumenten im Ausland hergestellte Waren beim Discounter sehr preiswert bzw. billig kaufen, setzen sich diese Konsumenten dem Vorwurf aus, auf Kosten im Ausland gezahlter Dumpinglöhne zu sparen, führte Krämer aus. Die Kritik, geizig zu sein und gegenüber anderen unfair zu handeln, sei jedoch nur zum Teil zutreffend. Sie blende aus, dass erst die relativ niedrigen Auslandslöhne eine Produktion in den Ländern des Südens und eine Produktnachfrage in den entwickelten Ländern ermöglichten. Eine marktwirtschaftlich orientierte Produktion in den Schwellen- und Entwicklungsländern mache die dortigen Arbeitnehmer nicht zwangsläufig zu „Opfern der Globalisierung“. Ein Konkurrenzmodell zur Marktwirtschaft sei „auf Systemebene im weltwirtschaftlichen Rahmen kaum denkbar“, so Krämer. Auch eine noch so gut gemeinte Moral des Teilens verbessere langfristig die Lebenssituation der Menschen in den Entwicklungsländern nicht. Die Wertschöpfung durch exportorientierte Arbeitsplätze sei allemal besser als das Verteilen von Almosen.
Bevor der Referent sich dem Verdacht aussetzte, einer vollkommen entfesselten Marktwirtschaft das Wort zu reden, nannte er einige unerlässliche „Rahmenbedingungen eines fairen Wettbewerbs“. Wolfgang Krämer: „Die Preise müssen die Wahrheit sagen.“ Die im Ausland gezahlten Löhne müssten so bemessen seien, dass sie nicht nur den unmittelbaren Lebensunterhalt des Arbeitenden, sondern auch den der Familienmitglieder sowie eine soziale Vorsorge gewährleisteten. Sollte die Warenproduktion die Umwelt schädigen, müssten die Beseitigung und Kompensation dieser Umweltschäden in die Produkte eingepreist werden. Technisch weit fortgeschrittene Staaten dürften arme Länder nicht vollends in den Ruin treiben, wie es zum Beispiel durch das Leerfischen afrikanischer Küstengewässer durch hochmoderne Schiffe geschehe. In solchen und ähnlichen Fällen sei den benachteiligten Ländern ein Ausgleich zu zahlen.
Die deutschen Verbraucher hätten es in der Hand, durch Unterstützung entwicklungspolitischer Kampagnen und durch kritische Nachfragen bei Handelsketten und Produzenten zu verdeutlichen, dass ihnen die
Produktions-, Umwelt- und Sozialverhältnisse in den Ländern des Südens nicht gleichgültig seien. Ein solcher Einsatz für faire Wettbewerbsbedingungen, der dann auch von der Bundesregierung wahrgenommen werde, helfe den Entwicklungsländern, die sich ihnen durch die Globalisierung ergebenden Chancen nutzen zu können. Derartige Bemühungen seien allemal hilfreicher als ein vordergründig anteilnehmendes, aber letztlich bequemes und folgenloses Bedauern nach dem Motto: „Es wird alles immer nur schlimmer.“
Am Montag, 20. September, geht es weiter in der Reihe „Die sieben Todsünden“ um 19.30 Uhr im Gemeindehaus Jerxer Str. 3 mit dem Thema „Wollust: Sexualität – freizügig oder treu?“. Weitere Veranstaltungen: www.lippische-landeskirche.de/kalender.

17.09.2010

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