Gegen die Selbstüberforderung

Monsignore Professor Dr. Konrad Schmidt auf dem Evangelischen Bauerntag

Pfarrerin Karin Möller (Leopoldshöhe), Präses Michael Stadermann, Adolf Meier zu Döldissen (Vorsitzender der Kammer für den ländlichen Raum), Kirchenvorstandsmitglied Annette Kerker und Pfarrer Friedrich Wehmeier (landeskirchlicher Beauftragter für den „Dienst auf dem Lande“, von rechts) begrüßten Prof. Dr. Konrad Schmidt (links) auf dem Bauerntag.

Kreis Lippe/Leopoldshöhe. Die eigenen Fehler akzeptieren, dem Nächsten mit einem Lächeln begegnen und auf Gottes Führung vertrauen. Wer diese und ähnliche Lebensregeln beherzigt, schafft nach den Worten von Professor Dr. Konrad Schmidt gute Voraussetzungen, um Anspannungen und Belastungen im beruflichen wie im privaten Alltag standzuhalten. Der Rektor der Katholischen Landvolkshochschule Hardehausen sprach zum Thema „Gesund ohne Pillen“ auf dem Evangelischen Bauerntag der Lippischen Landeskirche am Sonntag, 4. Juli, in der ev.-ref. Kirchengemeinde Leopoldshöhe.

Vor rund 100 Angehörigen des landwirtschaftlichen Berufsstandes trat Msgr. Schmidt dafür ein, die seelsorgerlich wirkenden Elemente des christlichen Glaubens bewusst wahr- und anzunehmen und sie für eine gelassen-optimistische Lebensführung zu nutzen.
Schmidt: „Sich selbst zu lieben, kann nicht falsch sein.“ Das biblische Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ sei keine Aufforderung zur selbstsüchtigen Selbstverliebtheit, sondern eine Mahnung zum redlichen Umgang mit den eigenen Schwächen. Wer seine Unvollkommenheit ehrlich erkenne und gelassen aushalte, brauche nicht nach Perfektionismus zu streben und entlaste sich selbst. Perfektionisten setzten sich seelisch unter Druck und verheimlichten ihre Fehler. Aus diesem Selbstbetrug entstehe letztlich eine gefühlte Minderwertigkeit der eigenen Person. Wer weder sich selbst noch anderen gestatte, Fehler zu begehen, belaste sich zu sehr.
Eine andere psychische Last entspringe der vielerorts beobachtbaren Anmaßung, angeblich alles besser zu wissen. Wer Sachverhalte kritisiere, gelte als der bessere Fachmann. Prof. Schmidt: „Die überall feststellbare Zunahme der Kritik ist eine Zeitgeistverschlimmerung.“ Wer Gegebenheiten hinnehme oder gar lobe, gelte als einfältig: „Wer lobt, steht im Verdacht, keine Ahnung zu haben.“ Die zeitgeistigen Besserwisser sollten sich allerdings vor Augen halten, dass sie sich der Lebensfreude berauben, etwas uneingeschränkt genießen zu können. Im kirchlichen Alltag, zum Beispiel während des Gottesdienstes, sei das Singen ein Ausdruck des Lobes. Wer auf das Singen verzichte, weil er entweder sein eigenes Gesangsvermögen anzweifle oder Kritik befürchte, entsage zugleich der „therapeutischen Wirkung des Singens.“ Schmidt: „Gott achtet mich, wenn ich arbeite; aber er liebt mich, wenn ich singe.“
Viele seiner „Rezepturen einer Medizin ohne Pillen“, so Schmidt, fußten auf Erkenntnissen, die schon die Bibel zur Sprache gebracht habe. Keine menschliche Situation sei der Bibel fremd. Allerdings machten die Menschen sich selbst krank, wenn sie Gott vergäßen. Gottvergessenheit bedeute auch, die „Gottesebenbildlichkeit der Menschen“ zugunsten der „Selbstverabsolutierung der Menschen“ zu unterschlagen. Ein „Rezept“ gegen das Vergessen der Ebenbildlichkeit und gegen die Selbstüberschätzung sei das Lesen in der Bibel. Man dürfe sich nicht davon entmutigen lassen, sollte man beim ersten Lesen den Sinngehalt mancher Verse oder Kapitel nicht verstehen. Hinsichtlich der Bibellektüre gab Prof. Konrad Schmidt den Zuhörern seines sehr lebendig referierten Vortrags mit auf den Heimweg: „Auf jeden Fall würde ich es noch einmal versuchen.“

06.07.2010

  • Twitter
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Windows Live