„Verletzungen aufnehmen und Hoffnung vermitteln“

Ute Weinmann Pfarrerin der Telefonseelsorge Bielefeld-OWL


„Ich möchte den ökumenischen Aspekt der Telefonseelsorge stärker in den Blick nehmen“, erklärt Ute Weinmann, die als evangelische Pfarrerin seit Anfang Februar zusammen mit ihrer katholischen Kollegin Elisabeth Kamender die Telefonseelsorge Bielefeld-OWL leitet und jetzt in ihr Amt eingeführt wurde. Dabei denkt sie vor allem an die Schulung und Begleitung der etwa neunzig Ehrenamtlichen, die sich in diesem Dienst engagieren und meist einer der beiden großen Konfessionen angehören.

Für Ute Weinmann ist die Aufgabe der theologischen Leitung dieses Dienstes eine Traumstelle. Die Erfahrungen ihres beruflichen Werdegangs in der Kirchengemeinde, in der Kran-kenhausseelsorge, der Altenheimseelsorge und in der Psychiatrie kann die Dreiundfünfzig-jährige hier sehr gut mit ihrer bisher ehrenamtlichen Arbeit in der Telefonseelsorge kombi-nieren. Die hatte sie 1993 während des Erziehungsurlaubs nach der Geburt ihres Sohnes begonnen. Im Laufe der Jahre engagierte sich die Theologin beim Schichtdienst am Telefon und zusätzlich in der Begleitung der anderen Ehrenamtlichen. Die treffen sich auch nach ihrer zweijährigen Ausbildung regelmäßig, um sich über ihre Erfahrungen während ihrer Schichten auszutauschen und Probleme und Fragen zu besprechen. Diese Aufgaben behält sie trotz ihres neuen Leitungsamtes bei.

Ute Weinmann schätzt die Arbeit der theologischen „Laien“ sehr. Mehr noch als „professionelle“ Seelsorgerinnen und Seelsorger ließen sie sich von den Anliegen und Sorgen der Anrufenden berühren. „Als Telefonseelsorge wollen wir für die Menschen ein offenes Ohr haben; ihre Verletzungen aufnehmen und ihnen Hoffnung vermitteln.“ Allerdings habe auch die Zahl der missbräuchlichen Anrufe zugenommen. Scherzanrufe und expressive Gewalt seien nichts Ungewöhnliches. Hier sieht Ute Weinman ihre Aufgabe darin, die Ehrenamtlichen für den Umgang mit solchen Situationen zu schulen: „Sie bewegen sich auf einem Grat zwi-schen Offenheit einerseits und der nötigen Abgrenzung andererseits – das ist nicht leicht durchzuhalten“.

Eine weitere Beobachtung hat Ute Weinmann gemacht: die Telefonseelsorge Bielefeld-OWL verzeichnet überdurchschnittlich viele Anrufe von Menschen mit psychischen Problemen und Erkrankungen. Das erkläre sich aus den vielen Einrichtungen, die Bielefeld als „Hauptstadt der Diakonie“ für solche Menschen bereithalte. „Wir können keine Therapie ersetzen“, erklärt die Seelsorgerin, „unsere Aufgabe besteht darin, den Menschen den nächsten Impuls für ihren Tagesablauf zu geben. Für einen Depressiven ist es schon viel, wenn er sich nach dem Telefonat eine Tasse Tee kocht“.



Allgemeine Informationen:

Die TelefonSeeslorge ist täglich rund um die Uhr und gebührenfrei unter den Telefonnum-mern 0800-1110111 oder 0800-1110222 erreichbar. Die TelefonSeelsorge bietet unter www.telefonseelsorge.de neben Gesprächen am Telefon auch einen Austausch per Mail und Chat an.

Frauen und Männer, die sich für die Mitarbeit in der TelefonSeelsorge Bielefeld-OWL inte-ressieren, können sich telefonisch unter (05 21) 6 77 42 oder im Internet unter www.telefonseelsorge-bielefeld-owl.de über diese Tätigkeit informieren. Der nächste Aus-bildungskurs startet im September 2010.

23.03.2010 Astrid Weyermüller, Kirchenkreis Bielefeld

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