Abends Theater – morgens Kirche

Die „Zauberflöte“ aus der Perspektive des christlichen Glaubens

Kantor Johannes Pöld, die beiden Musiker Andreas Jören und Horst Kreidler sowie Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann (von links) gestalteten gemeinsam einen Gottesdienst aus der Reihe „Vis-à-Vis“.

Detmold. Die „Zauberflöte“ war in der Reihe „Vis-à-Vis“ Thema eines Gottesdienstes in der Erlöserkirche am Markt. Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann beleuchtete die bekannte Mozart-Oper in seiner Predigt. Am Abend zuvor war die „Zauberflöte“ auf der Bühne des Detmolder Landestheaters zu sehen.

In der Oper geht es um den jungen Prinzen Tamino, der die von ihm angebetete Königstochter Pamina suchen und dabei zahlreiche Abenteuer bestehen muss. Zum Schutz erhält er eine Zauberflöte.
Aus der „Perspektive des christlichen Glaubens“ betrachtete Landessuperintendent Martin Dutzmann die Oper. Denn die Zauberflöte sei für vielerlei Deutungen offen, auch wenn sie „alles andere als eine christliche Predigt“ sei. Dennoch gebe es manchmal deutliche Verbindungen zu biblischen Texten.
Der leitende Theologe der Lippischen Landeskirche konzentrierte sich vor allem auf die Figur des lustigen Vogelfängers Papageno sowie die Zauberflöte. „Papageno ist ein Mensch, der zu seinen Schwächen steht“. So sei er alles andere als mutig und tapfer. „Als die Königin der Nacht ihn dazu bestimmt, Tamino auf seiner gefährlichen Reise in den Tempel Sarastros zu begleiten, lehnt er ab.“ Auch die Christen „glauben, dass Gott die Schwachen annimmt und ihnen ihre Schwäche und ihr Versagen nicht nachträgt.“
Was Papageno nach Ansicht von Dutzmann ebenfalls sympathisch macht, ist, dass er ein freier Mensch ist. Zwar begleite er den Prinzen Tamino in das Reich des Sarastro, doch nehme er die Prüfungen, die ihnen auferlegt werden, nicht wirklich ernst. Auch die Christen glaubten an die persönliche Freiheit. „Wir glauben, dass unser Wert nicht davon abhängt, was wir tun und erreichen. Gott hat uns mit unverlierbarer Würde beschenkt.“
Die Zauberflöte brachte der Landessuperintendent ebenfalls mit dem christlichen Bekenntnis in Verbindung. „Das Instrument unterstützt und beschützt – genau wie Gott es tut“, sagte Dutzmann und wies noch auf einen weiteren Berührungspunkt hin: Im Stück ruft Tamino mit Hilfe der Flöte die verschiedensten Tiere auf die Bühne, alle leben friedlich zusammen. Eine ähnliche Vision entwerfe die Bibel: „Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen […] “, so eine Passage im Buch des Propheten Jesaja.
Unterstützt wurde Dutzmann bei seinem Vortrag von Elisabeth Wirtz, Leitende Dramaturgin am Detmolder Landestheater. Sie fasste die Kernaussagen des Stückes zusammen und trug Auszüge aus dem Libretto vor. „Mozarts letztes Bühnenwerk ist eine einzigartige Mischung aus großer Oper, heiterem Sing- und Zauberspiel, Volkstheater sowie Mythos und Mysterienspiel“, erklärte sie den Zuhörern.
Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst von Kantor Johannes Pöld an der Orgel sowie den beiden Musikern Andreas Jören (Gesang) und Horst Kreidler (Flöte). Gemeinsam ließen sie verschiedene Stücke aus der Oper erklingen, darunter der Priestermarsch und die Vogelfängerarie.

10.03.2010

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