„Keine Angst vor Wärmedämmung“

Fachvortrag „Altbausanierung und Denkmalschutz“ im Landeskirchenamt

Jürgen Niederhommert, Heinrich Adriaans und Heinrich Mühlenmeier (von links) stellten den Vortragsgästen bekannte und neue Werkstoffe zur Innendämmung vor.

Kreis Lippe/Detmold. Chancen und Risiken der energetischen Gebäudesanierung von Baudenkmälern standen im Mittelpunkt der Veranstaltung „Altbausanierung und Denkmalschutz“ im Landeskirchenamt in Detmold. Auf Einladung von Heinrich Mühlenmeier, Umweltbeauftragter der Lippischen Landeskirche, referierten im Rahmen der Lippischen Altbau-Sanierungswochen Bauingenieur Heinrich Adriaans und Architekt Jürgen Niederhommert (beide aus Lage).

„Keine Angst vorm Denkmal, keine Angst vor Wärmedämmung – auch hinsichtlich des Sonderbauwerks Kirche“, lautete das generelle Vortragsfazit der beiden Lagenser Bauexperten. Vor jeder Sanierung sollten sich Kirchenvorstände jedoch des Rates ausgewiesener Fachleute für Bauphysik versichern. Allein preiswertes Material im nächstgelegenen Baumarkt einzukaufen, könnte sich wegen späterer Bauschäden als teuerste Lösung herausstellen. Außerdem seien energetische Sanierungsmaßnahmen, zum Beispiel die Wärmedämmung der Decken und Wände, vor Renovierungsbeginn mit der zuständigen Denkmalschutzbehörde abzustimmen.
Adriaans und Niederhommert erläuterten, dass Dämmungen auf der Gebäudeaußenseite bauphysikalisch in der Regel unproblematisch seien. Bei Baudenkmälern kämen Außendämmungen wegen ihrer fassadenändernden Wirkung aus Denkmalschutzgründen allerdings kaum in Frage. Innendämmungen seien unter bauphysikalischen Gesichtspunkten zwar sensibler, doch bei weitem nicht so problematisch, wie vor Jahren behauptet wurde. Heinrich Adriaans: „Eine gute Innendämmung ist mir lieber als eine schlechte Außendämmung.“
Wärmeschutz sei immer auch Feuchteschutz. Es sei fatal, wenn von außen durch die Fassade Feuchtigkeit in Form von Regen oder Luftfeuchte an die neue Innendämmung herangetragen werde und man nicht wisse, wo genau sich die Feuchtigkeit in Form von Kondenswasser niederschlage. Die Lage des Taupunkts innerhalb der Konstruktion müsse bekannt und eine Austrocknungsmöglichkeit gewährleistet sein. Sei beides nicht gegeben, könne es zu Schimmel und anderen Feuchteschäden kommen, die allerdings lange Zeit unentdeckt blieben. Auch Gewölbe- bzw. Kuppeldämmungen seien möglich, müssten aber sehr sorgfältig ausgeführt werden. Heinrich Adriaans und Jürgen Niederhommert: „Eine Dämmung muss bauphysikalisch geplant werden. Der Planer muss wissen, wo was in der Konstruktion passiert.“ Bauphysikalische Gedanken müsse man sich auch vor der Umnutzung kirchlicher Gebäude machen. Die „guten alten Konstruktionen“ passten möglichweise nicht zu neuen Nutzungen.
Es gebe viele Ansatzpunkte, den Energiebedarf kirchlich genutzter Baudenkmäler zu senken: Erneuerung der Heizungsanlage, Dach- und Außenwanddämmung, Fensterabdichtung, kontrollierte Be- und Entlüftung mit und ohne Wärmerückgewinnung usw. In Absprache mit denkmalerfahrenen Bauexperten sollten die wirkungsvollsten Maßnahmen zuerst durchgeführt werden. Auch für kirchlich genutzte Baudenkmäler gelte bezüglich ihrer energetischen Verbesserung die betriebswirtschaftliche Ausgangsüberlegung: „Was kostet die Investition und was bringt sie?“

08.03.2010

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