„Sie schickt der Himmel“

Der Ökumenische Krankenhausbesuchsdienst in Lemgo

Sylvia Krone vom Ökumenischen Krankenhausbesuchsdienst (rechts) meldet sich vor ihren Besuchen auf Station 15 bei den Schwestern, hier Schwester Susanne, an.

Lemgo. Die Patientin im Klinikbett versucht, die Klingel zu erreichen. Sie kann sich nach einem Fahrradunfall kaum bewegen. Die Klingel ist auf den Boden gerutscht und scheint unerreichbar. Die Patientin ist alleine im Zimmer. Panik steigt auf. Da öffnet sich die Tür und Sylvia Krone vom Ökumenischen Krankenhausbesuchsdienst schaut ins Zimmer. „Sie schickt der Himmel!“ schallt es ihr entgegen. Sylvia Krone lächelt bei der Erinnerung: „Ich drückte ihr die Klingel in die Hand, und wir sind ins Gespräch gekommen. Ich habe sie später auch nochmal besucht.“

Sylvia Krone geht gerne in das Klinikum Lippe-Lemgo. Früher hat sie hier im Sekretariat der Anästhesie und Intensivmedizin gearbeitet. Heute kommt sie ehrenamtlich einmal wöchentlich etwa anderthalb Stunden als Mitglied des Ökumenischen Krankenhausbesuchsdienstes. „Ich habe während meiner Arbeit in der Klinik den Kontakt zu den Menschen vermisst. Als ich in den Ruhestand ging, habe ich mich für den Besuchsdienst interessiert und bin jetzt seit zwei Jahren dabei.“ Sie besucht Patienten der Klinik für Geriatrie (Altersheilkunde) auf Station 15. Zurzeit liegen hier, wegen der Umbaumaßnahmen in der Klinik, auch die Unfallpatienten.
Zum Auftakt meldet sie sich bei den Schwestern, die ihr bereits den ein oder anderen Hinweis geben können: wo liegt vielleicht ein Patient, der keine Familie hat, wer ist Unfallpatient von außerhalb Lippes, wer freut sich über Besuch. Sylvia Krone geht dann in die Patientenzimmer, stellt sich vor und bietet ein Gespräch oder die Übernahme kleinerer Besorgungen an. Sie schmunzelt: „Ganz leicht fällt mir das nicht. Ich bin ein eher zurückhaltender Typ. Aber wenn ich in der Unterhaltung bin, legt sich das.“ Sie schenkt Zeit, bekommt aber auch viel zurück: „Es gibt immer wieder Patienten, die sind dankbar für das Angebot. Das tut mir dann wiederum auch gut.“
In den Gesprächen werde oft auch deutlich, dass die Patienten auf Station 15 sich durch Ärzte und Schwestern sehr gut versorgt fühlen. So wie Heiderose F.: „Sie kenne ich doch, Sie waren doch neulich schon bei mir“, ruft sie durch die offene Tür und winkt Sylvia Krone rein. Heiderose F. hat sich bei einem Sturz Knochenbrüche im Bein zugezogen: „Aber ich bin hier in Lemgo in guten Händen“, berichtet sie. Die beiden Frauen unterhalten sich noch eine Weile. Drei oder vier Patienten besucht Sylvia Krone auf diese Weise. Manchmal wird der Kontakt auch abgelehnt: „Dann wünsche ich gute Besserung und gehe wieder.“ Sind hingegen weiterführende Gespräche gewünscht, informieren die Mitarbeitenden Krankenhausseelsorgerin Karin Grunau oder Ingrid Britzelmeir vom Institut für Psychoonkologie.
Zehn Mitarbeitende hat der Ökumenische Krankenhausbesuchsdienst in Lemgo zurzeit. „Wir würden uns sehr über weitere Menschen freuen, die sich dieses Ehrenamt für sich vorstellen können, damit jede der zurzeit 14 Stationen regelmäßig besucht werden kann.“ Einmal monatlich treffen sich die Mitarbeitenden zum Austausch, einmal jährlich machen sie eine Fortbildung. Weitere Informationen gibt es im Diakonischen Werk bei Ruth Gantschow, Tel.: 05231/976-650, oder bei Sylvia Krone, Tel: 05236/420.

01.02.2010

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