Der Mensch im Mittelpunkt

Treffpunkt Umsonst-Laden in neuen Räumen

Sie freuten sich über die Neueröffnung des Umsonst-Ladens: Bürgermeister Rainer Heller, Ortsbürgermeister Helmut-Volker Schüte, Pfarrer Manfred Selle von der evangelisch-methodistischen Gemeinde, Christel Schluer-Peters aus dem Kirchenvorstand, Pfarrerin Claudia Ostarek, Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann sowie Pfarrer i.R. Karl-Heinrich Brinkmann von der katholischen Gemeinde (von links).

Detmold. Der „Treffpunkt Umsonst-Laden“, ein ökumenisches Projekt unter Federführung der ev.-ref. Kirchengemeinde Detmold-West, ist umgezogen. Zur Neueröffnung der neuen und größeren Ladenräume in der Martin-Luther- Str. 29 sprachen unter anderem der Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche, Dr. Martin Dutzmann, und Bürgermeister Rainer Heller. Am Sonntag (17. Januar) stand der Umsonst-Laden außerdem im Mittelpunkt eines Gottesdienstes in der Versöhnungskirche. Dabei wurde die Arbeit mit Interviews und Gesprächen vorgestellt.

Der Andrang war immens bei der Einweihung der neuen Räumlichkeiten am Freitag. Dutzende Menschen drängten sich vor dem Eingang des Umsonst-Ladens und warteten darauf, dass sich die Türen öffneten. Hier wird gut erhaltene Ware, zum Beispiel Kleidung, Geschirr oder Bücher, gerne angenommen. Jeder Gast kann pro Besuch jeweils drei Teile kostenlos mitnehmen. Lediglich um einen Euro wird gebeten, damit die Ladenmiete gesichert ist. Gleichzeitig ist der Laden ein Treffpunkt für Menschen – und das nun bereits seit acht Jahren: „Ich wünsche, dass sich die Erfolgsgeschichte des Umsonst-Ladens fortsetzt“, sagte Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann zur Neueröffnung und zog den Vergleich zur Kirche. Auch hierhin könnten alle Menschen gehen und sich aufgehoben fühlen, ganz gleich wie viel Geld sie besäßen.
Bürgermeister Rainer Heller wünschte den Mitarbeiterinnen „ein stets volles Haus und nette Menschen.“ Gleichzeitig wies Heller jedoch darauf hin: „Wenn solche Einrichtungen einmal nicht mehr nötig sein sollten, beglückwünsche ich unsere Gesellschaft.“
Der Gottesdienst am Sonntag drehte sich thematisch ebenfalls um den „Treffpunkt Umsonst-Laden.“ Pfarrerin Claudia Ostarek: „Die Idee hat ganz viel mit Bibel und der Gerechtigkeit zu tun“. Unsere Gesellschaft sei profitorientiert, jeder Mensch werde nur noch nach seiner Leistungsfähigkeit bewertet. Das fängt laut Ostarek bei teuren Markenklamotten in der Schule an und reicht bis zur Bezahlung von Pflege, die nach Modulen berechnet werde. „Der Umsonst-Laden soll dieses Denken durchbrechen. Er rückt den Menschen wieder in den Mittelpunkt des ökonomischen Handelns“, so Ostarek. Deshalb sei die Einrichtung „ein ausgesprochen kirchliches Projekt.“
Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann interviewte während des Gottesdienstes drei Mitarbeiterinnen. Gemeinsam erinnerten sie sich an die Gründung der Einrichtung, berichteten den Anwesenden, welche Waren besonders gefragt seien und sprachen über ihre Erlebnisse mit den unterschiedlichen Kunden. Es kämen nicht nur Bedürftige in den Laden, sagte Mitarbeiterin Barbara Fromm. „Uns ist es ganz wichtig, dass es sich mischt.“
Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst vom Gospelchor der Gemeinde, der Songs wie „Amazing Grace“ präsentierte. Nach der Zeremonie hatten die Besucher Gelegenheit, den Umsonst-Laden in Augenschein zu nehmen.

18.01.2010

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