„Begegnung und gegenseitiges Verstehen“

Podiumsdiskussion im Varusjahr über Friedensfragen

Diskutierten über Friedensverantwortung: Dorothea Siegle, Dirk Backen und Renke Brahms (von links).

Detmold. Das Varusjahr in Detmold ist am vergangenen Donnerstag (12. November) mit einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion in der Stadthalle zu Ende gegangen. Dabei setzten sich die Teilnehmer mit der Frage auseinander, was man aus dem Mythos Varusschlacht für die Gestaltung einer friedlichen Zukunft in Europa lernen könne. Einen Tag zuvor hatten dort bereits Jugendliche über dasselbe Thema debattiert. Ausgerichtet wurde die Veranstaltung von der Lippischen Landeskirche, der Stadt Detmold, der ECCLESIA-Gruppe, der Evangelischen Militärseelsorge sowie der Europa Union Lippe.

Die Diskussion begann mit einem Referat des italienischen Philosophie-Professors Dr. Luciano Malusa (Universität Genua), der den Verlauf der Varusschlacht skizzierte und auch die Bedeutungen erklärte, die dieser in den folgenden Jahrhunderten zugewiesen wurden. Seiner Ansicht nach wurde die durch die Schlacht ausgelöste Spaltung von Germanen und Römern mit der Regierung Karls des Großen und der Ausbreitung des Christentums aufgehoben. Das moderne Europa müsse sich daher um bestmögliche Integration bemühen. Für die zukünftige Gestaltung des Friedens wünschte er den Politikern „ein gutes Verhandlungsgeschick“, um die verschiedenen Völker zusammenzubringen.
Renke Brahms, Friedensbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland, wies auf die europäische Verantwortung hin, sich für eine gerechtere Verteilung und eine friedliche Welt einzusetzen. Auch der europäische Umgang mit Flüchtlingen, etwa aus Afrika, müsse überdacht werden. „Begegnung und gegenseitiges Verstehen ist der größte Beitrag, den wir leisten können“, fasste Renke Brahms zusammen.
Dorothea Siegle, Chefredakteurin des Magazins der evangelischen Kirche für junge Soldaten („JS“) sagte, dass sie sich eine offenere Diskussion zu dem Thema wünsche. Friedensverantwortung und der Einsatz von Militär müssten in der Gesellschaft erörtert werden. „Die Bundeswehr sollte mehr Öffentlichkeit gestatten“, sagte Siegle. Zudem sollten Soldaten mehr Mut haben, über ihre Erfahrungen zu sprechen.
Der Augustdorfer Brigadegeneral Dirk Backen bezeichnete die Varusschlacht als „ein Plädoyer dafür, dass man sich für Wahrhaftigkeit einsetzt und gegen Verklärung.“ Die Mystifizierung des Geschehens sei eine bedenkliche Entwicklung, so Backen. Man müsse mit der Aufklärungsarbeit bei der Jugend anfangen.
Moderiert wurde die rund zweistündige Podiumsdiskussion von Thorsten Wagner, Chefredakteur von Radio Lippe. Im Anschluss feierten alle Teilnehmer noch einen ökumenischen Gottesdienst in der Erlöserkirche am Markt.

16.11.2009

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