Junger Feminismus

Kein Platz für Pippi Langstrumpf

Tatjana Arndt, Renate Sielemann und Ulrike Wedeking gestalteten den Abend musikalisch. Referentinnen zum Thema „junger Feminismus“ waren: Milena Prekodravac und Melanie Trommer. (von links)

Detmold. Der zehnte Detmolder Frauensalon, organisiert von Monika Korbach (Referat Frauenarbeit der Landeskirche), Dorothee Brand (Pro Familia Lippe) und Regina Pramann (Gleichstellungsstelle des Kreises), lockte etwa 30 Frauen in das Café Schokolade. Unter dem Titel „Junge Frauen und der Feminismus“ referierten Melanie Trommer und Milena Prekodravac von der Ruhr-Universität Bochum.

Der junge Feminismus – eine neue, dritte Welle der Frauenbewegung in Deutschland – zeige sich derzeit an den Hochschulen des Landes, so die Wissenschaftlerinnen. „Mein Leben ist von Ikonen wie Pippi Langstrumpf oder Ronja Räubertochter geprägt, und ich habe lange geglaubt, dass außer Pferdestemmen alles für Frauen möglich ist“, erklärte Melanie Trommer, die „Gender Studies“ als Masterstudiengang absolviert hat. „Gleichberechtigung steht auf der Fahne, unter der Oberfläche ist alles wie gehabt, die Zahlen sprechen eine andere Sprache“, kritisierte Milena Prekodravac. Der Staat fordere und fördere zwar die Durchsetzung von Gleichberechtigung, tatsächlich sei aber das Verhältnis zwischen den Geschlechtern in wichtigen Positionen noch lange nicht ausgewogen. Ehegatten-Splitting, höhere Tarife für Frauen bei privaten Krankenversicherungen oder auch zu wenig Frauen in Führungspositionen zeigten die Ungerechtigkeiten. Die Quote sei wichtig, aber allein durch Gesetze ließen sich Probleme nicht lösen. Welcher Arbeitgeber keine Frau einstellen möchte, fände immer einen Grund dafür, waren sich die Referentinnen einig. Darüber hinaus hätten Frauen eine Chance auf eine Führungsposition derzeit nicht auf Grund ihrer Leistungen, sondern weil sie angeblich besser im „Multitasking“ (mehrere Aufgaben gleichzeitig) seien, besser planen könnten oder für bessere Kommunikation und nettes Klima sorgten als Männer. „Alles Gerüchte“, so Trommer und Prekodravac. Sie fordern mehr Flexibilität von den Arbeitgebern, unter anderem seien Arbeitsmarkt und Kinder schlecht kompatibel.
Perspektiven seien die Bildung von Frauen-Netzwerken, Ladyfeste, Künstlerinnenförderung und Walpurgisnacht-Demonstrationen.
Trommer und Prekodravac gestalteten ihren Vortrag interaktiv, so dass interessierte Zuhörerinnen im Laufe des Abends miteinander ins Gespräch kamen und lebhaft diskutierten. Renate Sielemann (Altsaxophon), Ulrike Wedeking (Baritonsaxophon) und Tatjana Arndt (Altsaxophon) begleiteten die Veranstaltung musikalisch.

04.11.2009

  • Twitter
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Windows Live