Die Kirche bleibt im Dorf?!

Lippische Landessynode diskutiert künftige Aufgaben und ihre Verteilung

Kreis Lippe/Lage-Stapelage. Das Ehrenamt stärken, den Gottesdienst als Alleinstellungsmerkmal begreifen, Gemeindearbeit vernetzen, Aufgaben, die Gemeinden nicht mehr leisten können, von der Landeskirche wahrnehmen lassen– das sind einige der Anregungen, die auf der Tagung der Lippischen Landessynode in Arbeitsgruppen zu kirchlichen Arbeitsfeldern wie Gottesdienst und Seelsorge erarbeitet wurden. „Die Kirche bleibt im Dorf?!“ war das Schwerpunktthema der Tagung am 19. und 20. Juni in Haus Stapelage.

Wie können Landeskirche und Ortsgemeinden dem Auftrag, das Evangelium zu verkünden, unter veränderten Bedingungen (demographische Veränderungen, sinkende Kirchensteuereinnahmen) gerecht werden? Welche Aufgaben werden künftig vor Ort wahrgenommen, welche gemeinsam getragen? In Arbeitsgruppen beschäftigten sich die Synodalen mit Kernbereichen kirchlicher Arbeit. Verschiedene Impulsreferate beleuchteten das Schwerpunktthema.

Anregungen aus EKD-Sicht
Kirche komme nicht bei allem Volk an, stellte Oberkirchenrat Dr. Thies Gundlach (EKD) in seinem Impulsreferat fest. „Hier begegnet uns das Grunddilemma unserer Gegenwart: ich kenne kaum einen Bereich in den Kirchen der EKD, in dem nicht mit hohem Engagement, mit guten Ideen, mit Orientierung an Qualität und mit Einsatzbereitschaft für die Kirche gearbeitet wird.“ Und dennoch nehme die Zahl der Menschen zu „die sich von uns wegwenden bzw. ohne Kontakt zu uns bleiben.“ In mehreren Leitsätzen empfahl Gundlach den Synodalen ein Nachdenken über das Verhältnis zwischen Gemeinden und Landeskirche. Es gebe zunehmend Handlungsfelder, die von der einzelnen Gemeinde nicht mehr alleine gestemmt werden könnten: „Sie brauchen mehr gemeinsames Handeln als bisher.“ Gundlach regt an zu klären, welche Aufgaben nur die Ortsgemeinden wegen ihrer Nähe zu den Menschen leisten können, welche Aufgaben die Klassen (Kirchenkreise) und welche die Landeskirche. Wenn eine Zentrale gewollt sei, solle man sie in die Lage versetzen, als Dienstleister für die Gemeinschaft vernünftig arbeiten zu können: „zum Beispiel dadurch, dass die besondere Zielgruppen erreicht, für Fortbildung sorgt, der Kirche ein Gesicht gibt und die mediale Präsenz fördert.“

Erfahrungen aus den Partnerkirchen
Ihre Erfahrungen steuerten auch Gäste aus den reformierten Partnerkirchen der Lippischen Landeskirche in Ungarn und Polen bei: „Das Thema Ihrer Synode ist uns nicht fremd“, so Bischof Marek Izdebski von der Evangelisch- reformierten Kirche Polens. „Auch wir denken darüber nach, wie wir den Menschen die Kirche näher bringen sollen, die Kirchentür für sie weiter öffnen können.“ Dabei sei die Arbeit in den reformierten Kirchengemeinden Polens in besonderer Weise durch die Diaspora-Situation in dem weitgehend katholisch geprägten Land geprägt. Hier sei wichtig, die Würde des Andersgläubigen zu berücksichtigen und zugleich Menschen klarzumachen, „dass es verschiedene Wege zu Gott gibt.“ Der Bischof der Evangelisch-reformierten Kirche in Ungarn, Prof. Dr. Gustáv Bölcskei, sieht Diakonie und Mission im Mittelpunkt kirchlicher Arbeit: „Es muss spürbar bleiben, dass wir das Evangelium verkünden.“

Evangelium als Grundlage
Das Evangelium muss die Grundlage für alle Beratungen und Entscheidungen sein, dies hatte auch der Superintendent der Klasse Blomberg, Hermann Donay, in seiner Predigt zum Auftakt der Synode klar gemacht: „Wir haben uns danach zu richten, was denn unser Auftrag ist. Wir sind ja nicht um unser selbst willen da. Wir werden gebraucht – in dieser Welt – von den Menschen, denen wir das Evangelium schulden. In Wort und Tat, vor Ort, da, wo sie leben, ganz elementar, ganz real.“

Mit Kirchenbild auseinandersetzen
Die Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen und Empfehlungen aus verschiedenen Impulsreferaten sollen in den Prozess „Perspektiven für ein Jahrzehnt entwickeln – Weiterarbeit am Leitbild der Lippischen Landeskirche“ einfließen. Weiterhin plant die Synode, sich auf der Sommersynode 2010 unter dem Titel „Kirche sein“ mit dem Kirchenbild intensiv auseinanderzusetzen.

20.06.2009

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