Für eine gute Schule in einem gerechten Schulsystem

Evangelische Kirchen in NRW nehmen Stellung

NRW. Die evangelischen Kirchen in Nordrhein-Westfalen setzen sich für ein gerechteres Schulsystem ein. In einer Stellungnahme werden größere Offenheit von Bildungswegen und mehr gemeinsames Lernen von unterschiedlich begabten Kindern gefordert. Die Schulstruktur in NRW „erfüllt nicht die Anforderungen an ein gerechtes und begabungsförderliches Schulsystem!“, heißt es in der Erklärung „Bildungsgerechtigkeit und Schule“, die jetzt dem Schulministerium in Düsseldorf übergeben wurde.

Die Evangelische Kirche von Westfalen, die Evangelische Kirche im Rheinland und die Lippische Landeskirche legen sich in ihrer Stellungnahme nicht auf ein bestimmtes Schulmodell für die Sekundarstufe I fest, treten aber ein für „mehr Mut zur Heterogenität in der Schule, also für mehr gemeinsames Lernen von Kindern mit unterschiedlichen Begabungen und unterschiedlicher sozialer Herkunft“.
Die westfälische Kirche trägt vier Gymnasien, zwei Realschulen und eine Gesamtschule, die rheinische Kirche in Nordrhein-Westfalen fünf Gymnasien, zwei Realschulen sowie eine Grund- und Gesamtschule.
„Als Träger von Bildungseinrichtungen sind wir bereit“, erklären die Kirchen, „Konkretionen modellhaft umzusetzen. Dazu bedarf es der politischen Zustimmung.“ Die Möglichkeiten reichen hier von schulformübergreifenden Lerngruppen innerhalb des dreigliedrigen Systems – Hauptschule, Realschule, Gymnasium – bis hin zur integrierten Schule. Letzteres praktiziert die Evangelische Kirche von Westfalen mit ihrer Gesamtschule in Gelsenkirchen seit mehr als zehn Jahren mit großem Erfolg. Ein Um- und Ausbau der St. Jacobus-Realschule zum Evangelischen Schulhaus Breckerfeld, derzeit politisch nicht durchsetzbar, würde mehr gemeinsames Lernen innerhalb des gegliederten Systems ermöglichen.
Die Evangelischen Kirchen in NRW treten ein für eine Schule, die sich „an den unterschiedlichen Lerngeschwindigkeiten der Kinder und Jugendlichen orientiert“ und „zur umfassenden Entfaltung ihrer Gaben herausfordert“. Schule solle an den Stärken der Kinder anknüpfen, Beschämung vermeiden, Schwächen wahrnehmen und mit gezielten Fördermöglichkeiten abbauen. Dazu gehören auch individuelle Lernpläne und die Rechenschaftspflicht der Schule für den Bildungsweg der ihr anvertrauten Kinder und Jugendlichen. Ein demokratisches Zusammenleben und Zivilcourage sowie „eine Kultur des Respekts und des sorgsamen Miteinanders“ sind weitere Ziele.
Zum bildungspolitischen Programm der evangelischen Kirchen gehört ein flächendeckendes Angebot von Ganztagsschulen, in denen sich Fachunterricht und vertiefende Lern- und Übungsphasen abwechseln. Zugleich ruft die Stellungnahme aber auch dazu auf, dass Schule ihre Grenzen akzeptiert: „Es gibt ein Leben nach und außerhalb der Schule!“

30.03.2009

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