Das „Superfrauensyndrom“

Lippischer Frauentag sucht Gründe für Perfektionismus

Susanne Koch-Hennig macht es auf der Bühne vor: Frau muss immer perfekt sein, vor allem, wenn Gäste erwartet werden.

Kreis Lippe/Detmold-Pivitsheide. Seit die berufstätige Frau nicht mehr die Ausnahme, sondern der Normalfall geworden ist, ist ein neues Phänomen in weibliche Lebensentwürfe eingezogen: das „Superfrauensyndrom“. Viele Frauen entwickeln Perfektionismus auf allen Ebenen. Der Frauentag der Lippischen Landeskirche in der evangelisch-reformierten Kirche in Pivitsheide ging am Samstag, 31. Januar, der Frage nach, warum das so ist und wie sich Frauen davon befreien können.

Wenn sie morgens das Haus verlässt, sind die Betten gemacht, die Waschbecken geputzt, die Kinder haben gefrühstückt und für ihn hat sie am Vortag noch schnell ein frisches Hemd und die passende Krawatte raus gelegt. Bei Büroschluss ist ihr Schreibtisch aufgeräumt und alles erledigt, was anlag: Viele Frauen können nicht aus ihrer Haut, organisieren und managen den Alltag in der Familie und im Büro. Aufgaben abgeben ist nicht drin.

Viel Applaus gab es von den rund 70 Teilnehmerinnen am Frauentag für Gretchen Bauermann, Susanne Koch-Hennig, Eva Kauer, Ursula Kramer und Rosi Mücke (Team der Frauenarbeit der ev.-ref. Kirchengemeinde Pivitsheide), die drei Spielszenen aufführten: Frauen leben ihren Perfektionismus zu Hause und am Arbeitsplatz, dann brennt das Essen an, die Wäsche ist verfärbt, der Termin am Arbeitsplatz verpfuscht. Katastrophe…. oder doch alles gar nicht so schlimm?

 „Wenn Frauen perfektionistisch sind, geht es um Anerkennung oder Zuwendung“, erläutert Monika Korbach von der Frauen- und Bildungsarbeit der Lippischen Landeskirche: „In der Kindheit bekamen sie positive Zuwendung zum Beispiel nach einer guten Schulnote. Zuwendung, ohne eine Leistung zu erbringen, haben Mädchen – im Gegensatz zu Jungen – oft zu wenig erfahren.“ Zuwendung über Leistung: „Sei perfekt“ und „Mach es allen recht“ gehörten zu den Antreibern, die viele Frauen unbewusst von ihren Eltern mitbekommen hätten. „Mädchen waren jahrhundertelang weniger wert als Jungen, Frauen fühlen sich auch heute noch nicht so angenommen wie Männer“, so Monika Korbach weiter. Ein Weg, sich davon zu befreien, könne die Erkenntnis sein: „Ich bin nicht mehr Kind, ich kann mir selbst die Erlaubnis zu einem erfüllten Leben geben. Ich bin wertvoll und wichtig, auch ohne etwas Besonderes zu leisten.“ Dies sei auch wichtig für die Familie, in der Frauen oft durch ihren Perfektionismus den anderen alle Aufgaben wegnehmen. Familie funktioniere aber durch Absprachen und Aufgabenverteilung.

Das Gespräch über Sätze wie „Ich leite ein kleines Familienunternehmen“, „Mutter wird nicht krank“ und „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“, die Andacht von Pfarrerin Sabine Mellies-Thalheim und Musik vom Gospelchor der Gemeinde rundeten den Nachmittag in Pivitsheide ab.

02.02.2009

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