„Ganz sicher nicht ohne Frucht“

Rechenschaftsbericht des Landeskirchenrates

Kreis Lippe/Lemgo. „Ganz sicher nicht ohne Frucht“ – unter diesem Wort des Reformators Johannes Calvin, dessen Geburtstag sich im kommenden Jahr zum 500. Mal jährt, steht der Bericht des Landeskirchenrates in diesem Jahr. Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann zieht darin eine positive Bilanz der Arbeit in der Lippischen Landeskirche des vergangenen Jahres.

„Ganz sicher nicht ohne Frucht“ – diese Wahrnehmung von Kirche leite dazu an, nicht zuerst nach den ausgebliebenen Früchten, also den Defiziten kirchlichen Lebens zu fragen, sondern die vorhandenen Früchte aufzuspüren und sich an ihnen zu erfreuen. Das zu Ende gehende Jahr stehe unter dem Jahresthema „Fremde.Heimat.Lippe.“ Ein Schwerpunkt habe bei der Frage gelegen, was eigentlich Heimat ist. Dr. Martin Dutzmann: „Das Thema Heimat ist und bleibt äußerst ambivalent: Einerseits muss rechtsextremen Organisationen wie der „Heimattreuen Deutschen Jugend“, die unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Kinder und Jugendliche mit nationalsozialistischem Gedankengut vertraut macht, energisch entgegengetreten werden. Bekanntlich operiert diese Organisation unter anderem in Berlebeck“. Andererseits sei jetzt gerade noch Zeit, Menschen, die nach dem Krieg aus ihrer Heimat vertrieben wurden und im Westen nicht willkommen waren, ihre Geschichte erzählen zu lassen. Das Unrecht, das diese Menschen erlitten haben und der Schmerz, der ihnen zugefügt wurde, sind gesamtgesellschaftlich lange kaum thematisiert worden. „Flucht und Vertreibung wurden – mit Recht – primär als Folge der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und des von Deutschland begonnenen Krieges wahrgenommen; dabei fanden die Opfer jedoch zu wenig Gehör.“

Dr. Dutzmann geht im Bericht unter anderem auch auf das Miteinander evangelischer und römisch-katholischer Kirchen und Christenmenschen ein, das künftig durch das Verbindende der Taufe befördert werden könne: „Vielleicht lassen sich langfristig von dem die Konfessionen verbindenden Sakrament der Taufe her auch Lösungen für die noch strittigen Fragen von Amt und Abendmahl finden.“ Diese Fragen seien in Gesprächen zwischen dem Landeskirchenrat und dem Geistlichen Rat des Erzbistums Paderborn sowie im evangelisch-katholischen Arbeitskreis eingehend erörtert worden. „Das Ergebnis ist, dass wir verstärkt ökumenische Tauferinnerungsgottesdienste anregen wollen. Außerdem werden wir überlegen, ob und wie wir gemeinsam für die Taufe werben können.“

Die Bemühungen um die Reduktion von Pfarrstellen tragen erkennbar Früchte, so Dutzmann: „Vom 1.6.2006 bis zum 1.9.2008 wurden die Pfarrstellen von 104,75 auf  92,50 reduziert, es wurden also 12,25 Pfarrstellen eingespart.“ Dafür sei besonders den Pfarrerinnen und Pfarrern zu danken, die sich bereit erklärten, einen Teil ihres Pfarrdienstes an einem anderen Ort zu verrichten.

Erste, wenn auch noch bescheidene Früchte, trage inzwischen die vor gut einem Jahr gegründete Evangelische Gemeindestiftung Lippe. Vierzehn Kirchengemeinden haben sich mit einem eigenen Stiftungsfonds beteiligt. Das Stiftungskapital konnte von 50.000 Euro auf rund 200.000 Euro vervierfacht werden.

Dr. Martin Dutzmann gibt im Rechenschaftsbericht auch einen Ausblick auf 2009. Demnach werde im kommenden Jahr die meiste Aufmerksamkeit der 500. Geburtstag Johannes Calvins erhalten: „Als mehrheitlich reformierte Kirche werden wir die Gelegenheit ergreifen und uns unserer Wurzeln vergewissern, aber auch kritisch nach den problematischen Aspekten der Reformation in Genf fragen“. Die Erlebnisausstellung „Credoweg“, in der Menschen mit allen Sinnen angesprochen und in Glaubensfragen verwickelt werden, soll vom 20. Januar bis 18. März im Tagungshaus Stapelage aufgebaut werden, „so dass interessierte Gruppen und Kreise diese besondere Art der Verkündigung des Evangeliums erleben können“.

Im Varusjahr werde sich die Lippische Landeskirche mit voraussichtlich zwei Veranstaltungen an den Jubiläumsfeiern beteiligen. Beim internationalen Jugendtreffen soll ein Jugendgottesdienst angeboten werden, außerdem werde überlegt, am Volkstrauertag am Hermannsdenkmal der Toten dieser und unzähliger anderer Schlachten zu gedenken und zum Frieden zu mahnen.

24.11.2008

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