Religionsunterricht als Chance

Erstes „Christuskirchengespräch“ thematisierte konfessionellen Unterricht

Das Podium des ersten „Christuskirchengesprächs“ bildeten (vorn von links): Ute Hiddemann, Stephan Gringard, Sabine Brakemeier, Helmut Zumbrock sowie (dahinter von links) Carolin Schubert, Franziska Kehne, Frank Huismann, Tobias Treseler und Nils Huchthausen.

Detmold. „Der Religionsunterricht hilft Schülerinnen und Schülern, ihren eigenen Standort im Leben zu bestimmen.“ Für Landespfarrer Tobias Treseler, den Schulreferenten der Lippischen Landeskirche, ist konfessioneller Unterricht an Schulen unverzichtbar. Er könne durch einen Ethikunterricht nicht gleichwertig ersetzt werden, bekräftigte Treseler auf der Podiumsdiskussion „Religion - eine Chance für die Schule?!“ am Dienstag, 4. November, in der Detmolder Christuskirche.

Unter der Moderation von Pfarrer Nils Huchthausen (ev.-ref. Kirchengemeinde Detmold-West) und des Historikers Frank Huismann (Vorsitzender des Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins Detmold) thematisierten Schülerinnen, Pädagogen und Theologen Nutzen und Chancen des schulischen Religionsunterrichts. Mit der Podiumsdiskussion startete die Lippische Landeskirche in Zusammenarbeit mit der ev.-ref. Kirchengemeinde Detmold-West die neue Reihe „Christuskirchengespräche“.

Tobias Treseler betonte, dass der Religionsunterricht Kindern und Jugendlichen eine existenzielle Auseinandersetzung mit Wahrheitsfragen ermögliche. Die Jugendlichen wüssten im konfessionellen Religionsunterricht– anders als im Ethik- bzw. Philosophieunterricht – welchen konfessionellen Standort ihre Lehrer einnehmen. Auch werde das biblische Menschenbild vermittelt. Treseler: „Im Religionsunterricht kommt zum Ausdruck, dass jeder Mensch von Gott mit liebenden Augen angesehen wird – unabhängig von eigener Leistung oder sozialem Status.“

Stephan Gringard, stellvertretender Leiter des Detmolder Leopoldinum-Gymnasiums, bekräftigte, dass allein schon wegen des kulturprägenden Einflusses der Religion auf Europa Ethik- und Religionsunterricht nicht gleichrangig seien. Gringard: „Unsere Zivilisation wurzelt im Christentum.“

Nach den Worten von Helmut Zumbrock, Schuldirektor und -dezernent bei der Bezirksregierung Detmold, vermittele der Religionsunterricht ein „Repertoire an Werten“, zum Beispiel die Achtung der Menschenwürde. Andere Schulfächer seien kaum in der Lage, dies in vergleichbarem Maße zu leisten. Auch nach seiner Überzeugung sei das Fach Religionslehre nicht austauschbar. Allerdings sollten im Unterricht Einblicke in andere Religionen vermittelt werden: „Dadurch lernen die Schüler, ihre eigene Religion besser zu verstehen, und sie entwickeln möglicherweise neue Perspektiven.“

Für die beiden Religionslehrerinnen Sabine Brakemeier (August-Hermann-Francke-Schule Detmold) und Ute Hiddemann (Niklas-Luhmann-Gymnasium Oerlinghausen) leistet der Religionsunterricht mindestens zweierlei: Er vermittele Sachwissen über die Konfessionen und er trage durch Wertevermittlung zur Persönlichkeitsbildung bei. Ute Hiddemann führte aus, dass evangelische bzw. katholische Religionslehre im Unterschied zu den „Faktenfächern“ nur in Ausnahmefällen einer Berufswahlorientierung diene. Die Stärke des Religionsunterrichts sei es, den Heranwachsenden Sozialkompetenzen zu vermitteln und die Jugendlichen zu ermutigen, nach ihrem Schulabschluss auf die Kraft von Solidargemeinschaften zu vertrauen.

Die beiden Oerlinghausener Schülerinnen Franziska Kehne und Carolin Schubert beschrieben ihren Religionsunterricht als den „einzigen Ort, wo über theologische Texte diskutiert wird.“ In ihren Kirchengemeinden vermissten sie solche vertiefenden Gespräche, die es ihnen erlauben würden, ihre eigene Lebenspraxis zum Beispiel anhand von Bibelzeugnissen zu überprüfen.

Die große Wertschätzung, die sowohl auf dem Podium wie aus den Reihen der Zuhörer dem Religionsunterricht zuteil wurde, fasste Sabine Brakemeier mit einem Hinweis auf die Abmeldemöglichkeit vom Religionsunterricht zusammen: „Mit Religionsunterricht kann man viel erreichen. Wenn ich Politikerin wäre, würde ich Religionsunterricht zum Pflichtfach machen.“

10.11.2008

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