„Ich hatte viel Bekümmernis“

Kantatengottesdienst in St. Marien

Lemgo. Mehr als 100 Sängerinnen, Sänger und Musiker gestalteten den Festgottesdienst zur Eröffnung der Lemgoer Internationalen Orgeltage in der Lemgoer St.-Marienkirche musikalisch. Unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Rainer Johannes Homburg hatten Sänger und Instrumentalisten in einer Bach-Werkstatt am vorausgehenden Samstag die Kantate BWV 21 „Ich hatte viel Bekümmernis“ einstudiert. Kirchenrat Andreas-Christian Tübler nahm in seiner Festpredigt die „Bekümmernis“ der Kantate zum Ausgangspunkt für ein Nachdenken über die eigene Befindlichkeit, über Gott und den Sinn des Lebens. Auch zu Zeiten Luthers und Bachs sei dies ein zentrales Thema gewesen, nur habe die Frage etwas anders gelautet als heute: Wie bekomme ich einen gnädigen Gott? Wie schaffe ich es, dass ich eines Tages gerecht und reinen Herzens vor Gott bestehen kann? – In einer damals düsteren Zeit zeige Bach vor allem im dritten Teil der Kantate, dass Gott selbst die Hoffnungslosigkeit durchbricht wie die ersten Sonnenstrahlen des beginnenden Morgens. Die Kantate, für deren Thema Bach einen Text aus dem alttestamentlichen Psalter gewählt habe, sei eine evangelische Antwort auf die Frage: „Wie geht es Ihnen mit Ihrem Leben?“ – Dem Werkstatt-Chor gelang die Interpretation in eindrucksvoller, intensiver Weise. Zuvor hatte es Blumen und viel Applaus für Lajos Farkas gegeben: Der langjährige Konzertmeister der Nordwestdeutschen Philharmonie ist in den Ruhestand gewechselt, und so war es nach sieben Jahren und 14 Kantatenwerkstätten das letzte Mal, dass er die Musiker führte.

28.10.2008

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