„Evangelische Identität zeigen und leben“

Fast 500 Frauen feierten 70 Jahre Lippischer Landesverband evangelischer Frauenhilfen

Dr. Blatz (links) sprach den ehrenamtlich arbeitenden Leitungskreisfrauen ihre Anerkennung aus: „Ohne Sie wäre die Arbeit nicht mehr zu leisten.“

Kreis Lippe/Bad Meinberg. Fast 500 Frauen aus lippischen Frauenhilfen und –kreisen trafen sich am Mittwoch, 24. September, im Kurtheater Bad Meinberg, um das 70jährige Bestehen des Lippischen Landesverbandes evangelischer Frauenhilfen zu feiern. Der Verband vertritt und betreut 101 Frauenhilfen und Frauenkreise mit 2164 Mitgliedern.

In den Gründungsjahren schlossen sich Frauen in den Kirchengemeinden zusammen, um tatkräftige Hilfe gegen soziale Notlagen zu organisieren. Bis heute bietet die Frauenhilfe vielen Frauen in Lippe eine Heimat in der Kirche. In ihrem Grußwort unterstrich Dr. Beate Blatz, Leiterin des Dachverbandes „Evangelische Frauen in Deutschland“, dass bereits ein Blick auf das Gründungsjahr (1938) des Lippischen Landesverbandes eine bis heute prägende Leitidee der lippischen Frauenhilfen verdeutliche. Die Gründung sei ein „Akt der Orientierung“ gewesen. Dr. Blatz: „Orientierung hieß hier, evangelische Identität zu zeigen und zu leben, damals angesichts eines immer größer werdenden nationalsozialistischen Anpassungsdrucks.“

Die Arbeit des Lippischen Landesverbandes der Frauenhilfen habe in den Jahren nach Kriegsende nicht immer im Mittelpunkt der öffentlichen Wahrnehmung gestanden. Gleichwohl sei sie den Zielen verpflichtet gewesen, wie sie die ökumenischen Weltkirchenkonferenzen 1948 und 1975 sowie die EKD-Synode 1989 formuliert hätten. Männer und Frauen sollen demnach gleiche Lebens- und Entfaltungschancen besitzen: in Ehe, Familie und Partnerschaft, in Beruf, Politik und Kirche - also überall in Gesellschaft und Kultur.

Die „Frauenfrage“ sei bis heute noch nicht erledigt und man müsse „wachsam sein“. Blatz: „Wir als Dachverband und Sie als Mitgliedsorganisation werden uns gegenseitig in gesundem Selbstbewusstsein und gutem Traditionsbewusstsein stärken. Wir wissen, was wir tun und warum wir es tun. Wir sind geübt im langen Atem.“

Nach den eher ernsten Tönen der Dachverbandsvorsitzenden bescherte die katholische Kirchenkabarettistin Ulrike Böhmer, ausgebildete Gemeindereferentin, in ihrer Paraderolle der ehrenamtlichen Kirchenfrau Erna Schabiewsky den Gästen des Jubiläumsnachmittags eine Stunde unbeschwerter Unterhaltung. Mit kariertem Hütchen, knallroter Strickjacke und riesiger Handtasche ließ sie augenzwinkernd ihre begeisterten Zuhörerinnen an den Höhen und Tiefen des ehrenamtlichen Gemeindelebens teilnehmen. „Die rechte (und die linke) Hand des Pastors“ nahm alles auf die Schippe: den auf vier Mitglieder geschrumpften Gemeinde-Kirchenchor, der nach der Fusion von acht Kirchengemeinden wieder 20 Sänger zählt („Das ist doch ein Erfolg!“) ebenso wie das Krippenspiel, das mangels Kinder von Senioren aufgeführt wird („Und wer spielt jetzt das Jesuskind?“) Als „Erna Schabiewsky“ zum Abschluss Barbara Mattke, Vorsitzende des Lippischen Landesverbandes Evangelischer Frauenhilfen, auf die Bühne bat und ihr als Geschenk zum Verbandsjubiläum „ein Pfund echten Bohnenkaffee“ („Teilen Sie ihn sich gut mit Ihren Schwestern“) überreichte, wollte der Beifall kaum enden.

29.09.2008

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