Beratungsstellen für Arbeitslose vor dem Aus

Förderung durch das Land entfällt ab 1. Oktober

NRW. „Beratungsstelle leider geschlossen.“ Ab 1. Oktober 2008 gibt es die Landesförderung für die Beratungsstellen für Arbeitslose in Nordrhein-Westfalen nicht mehr. Die meisten der von der Evangelischen Kirche und der Diakonie getragenen Beratungsstellen für arbeitslose Menschen werden deshalb zu diesem Termin, spätestens zum 1. Januar 2009 ihre Arbeit einstellen müssen.

Bislang wurden die Beratungsstellen durch das Land aus Mitteln des europäischen Sozialfonds gefördert. Diese Förderung lässt das Land zum 30. September auslaufen. Die Kommunen und Arbeitsgemeinschaften (ARGEn), die nach Meinung des Ministeriums für die Finanzierung zuständig wären, sind zumeist nicht bereit, in die Finanzierung einzutreten. „Wir haben über 100 Arbeitslosenberatungsstellen in Zentren befragt, von denen die allermeisten keine weiter Förderung durch die ARGE oder die Kommune bisher bekommen haben. In einigen Fällen laufen die Gespräche noch, aber bisher ohne Ergebnis“, so Nikolaus Immer, Geschäftsbereichsleiter der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe.

Die evangelischen Kirchen in Rheinland, Westfalen und Lippe sowie die Diakonie RWL fordern deshalb das Land, die Kommunen sowie die ARGEn erneut dazu auf, die kurze Zeit zu nutzen, um Lösungen für die Aufrechterhaltung diesen guten Beratungsangebotes zu finden.

„Hier wird eine Hilfe für die betroffenen Menschen eingestellt, obwohl alle davon überzeugt sind, dass diese Hilfe gut und sinnvoll und auch effektiv ist. Aber keiner fühlt sich für die Finanzierung zuständig“ erklärt Alfred Buß, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen. „Zu unserem Engagement gegen Arbeitslosigkeit, das sich besonders an die Langzeitarbeitslosen und benachteiligten Jugendlichen richtet, gehörte immer auch die Unterstützung und Förderung unserer Beratungsstellen – das haben wir uns auch ein gutes Stück Geld kosten lassen“, stimmt Präses Schneider von der evangelischen Kirche im Rheinland dem westfälischen Präses zu.

Die evangelischen Kirchen und ihre Diakonie unterhalten im Vergleich die meisten der Arbeitslosenzentren und Beratungsstellen, können aber den jetzigen Wegfall der staatlichen Unterstützung nicht ausgleichen.

Bei den Beratungsstellen finden Betroffene nicht nur Unterstützung, um die Anträge auf Arbeitslosengeld II richtig stellen zu können, sie werden auch beraten, wenn Sie Bescheide bekommen, die zumeist für sie nicht verständlich sind.  Die Beratungsstellen bieten Bewerbungstrainings und tagesstrukturierende Maßnahmen an sowie Gesprächsangebote. Die Mitarbeitenden der Beratungsstellen waren auch für die ARGEn wichtige Ansprechpartner und konnten vermitteln. „Solche Vermittlung wird es künftig nicht mehr geben“, erklärt Nikolaus Immer von der Diakonie RWL. „Ich will nur darauf hinweisen, dass über 50 Prozent aller Klageverfahren von ALG II-Empfängern zu deren Gunsten entschieden werden. Alles, was da im Vorfeld geklärt werden könnte, wäre hilfreich. Ohne die Mitarbeitenden der Beratungsstellen wird es solche Klärungen im Vorfeld nicht mehr geben.“

Diese Presseinformation wird gleichzeitig von den evangelischen Landeskirchen in NRW und von der Diakonie RWL verschickt.

23.09.2008

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