Laumann: Soziale Verantwortung bringt Erfolg

Evangelische Kirche und IHK: Chancen für den Mittelstand

Mönchengladbach. Der nordrhein-westfälische Arbeits- und Sozialminister Karl-Josef Laumann hat am Mittwochabend (27.8.) das gemeinsame Engagement von Kirche und Wirtschaft gegen Aids als Beispiel weltumspannender gesellschaftlicher Verantwortung gewürdigt. Laumann rief dazu auf, „gemeinsam zu beweisen, dass Erfolg einer sozialen Verantwortung nicht entgegensteht“. Auf einer Veranstaltung der drei evangelischen Landeskirchen in NRW und der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein in Mönchengladbach ging es um „Chancen für den Mittelstand durch Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung“.

Bei der Aktion „Kirche und Wirtschaft gemeinsam gegen HIV & Aids“ bieten Wirtschaftsunternehmen im südlichen Afrika ihren Beschäftigten systematische und dauerhafte Hilfe an. Evangelische Kirche und Unternehmen versuchen gegen die Krankheit vorzugehen, die hier epidemische Ausmaße angenommen hat: Mit 5,5 Millionen Infizierten ist Südafrika das Land, das die größte Aids-Epidemie der Welt zu bekämpfen hat. Auch in Namibia ist Aids zu einer bedrohlichen Seuche geworden.

 

Kirche und Wirtschaft gemeinsam gegen Aids

Die Evangelische Kirche von Westfalen, die Evangelische Kirche im Rheinland und die Lippische Landeskirche haben das Projekt im Rahmen des Agenda 21-Prozesses in NRW angestoßen. Es umfasst Sozial- und Gesundheitsprogramme in Unternehmen. Dazu gehören Beratung und Schulung, begleitende Seelsorge, Versorgung mit Aids-Medikamenten und die Einbeziehung von Familie und sozialem Umfeld. NRW ist der Wirtschaftsstandort mit den meisten global agierenden mittelständischen Unternehmen, viele davon sind im südlichen Afrika tätig. Aids ist dort inzwischen ein ökonomisches Problem: Krankheit und Tod von Arbeitskräften lähmen die Wirtschaft.

 

Wertorientierung schafft mehr Wert

Für den Textilunternehmer Franz-Peter Falke aus Schmallenberg im Sauerland gehen unternehmerisches Handeln und gesellschaftliche Verantwortung Hand in Hand. „Ich kann nur dann sinnvoll wirtschaften, wenn meine unternehmerischen Werthaltungen der Gesellschaft einen Vorteil bringen“, sagte der Chef der Falke-Gruppe, die in ihrer südafrikanischen Niederlassung als erste Firma an dem Anti-Aids-Projekt beteiligt war und weiterhin ist.

Der Vizepräsident der IHK Mittlerer Niederrhein und Präsident von Borussia Mönchengladbach, Rolf A. Königs, nannte das gemeinsame Afrika-Projekt von Kirche und Wirtschaft ein „Paradebeispiel“ für gesellschaftliche Verantwortung. Königs, im Hauptberuf Geschäftsführer des weltweit aktiven Mönchengladbacher Familienunternehmens AUNDE, sprach von einem „selbstverständlichen Teil der historisch gewachsenen deutschen Unternehmenskultur“.

Auch Ulf D. Posé, Präsident des Ethikverbandes der deutschen Wirtschaft, ist überzeugt: „Das Konzept einer strikt und ausschließlich auf Gewinnsteigerung und Unternehmenswert zielenden Unternehmensführung hat seine beste Zeit hinter sich.“ Gerade Unternehmen, die sich moralischer Wertorientierung verpflichtet fühlen, würden mehr Wert schaffen, erklärte Posé, der auch dem Bundesverband für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft angehört: Ein besseres Image, zufriedenere Kunden und Lieferanten und hoch motivierte, leistungsfähige Mitarbeiter seien die Folgen von ethischem Unternehmenshandeln.

 

Wirtschaften ist eine kulturelle Leistung

Präses Nikolaus Schneider von der Evangelischen Kirche im Rheinland beschrieb wirtschaftliche Tätigkeit als „eine kulturelle Leistung, die dem Leben der ganzen Schöpfung Gottes dient“. Die Kirchen hätten sich eine der größten Herausforderungen im südlichen Afrika zu eigen gemacht, weil sie durch die weltweit verbundene Christenheit „auch unsere ist“. Es sei eine kirchliche Kernkompetenz, bestätigte der lippische Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann (Detmold), Verantwortung für die Partner auf der ganzen Welt wahrzunehmen.

 

28.08.2008

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