Netzwerk für das Leben

Hilfsmöglichkeiten vor dem letzten Ausweg „Babykörbchen“

Die Abgabemöglichkeit „Babykörbchen“ ist nur der letzte Ausweg, betonen Inge Ernst, Renate Niehaus, Christoph Pompe und Dr. Klaus Wesseler (von links).

Detmold. „Bevor eine Mutter in einer von ihr als sehr schwierig empfundenen Situation ihr Neugeborenes anonym abgibt, sollte sie die Hilfs- und Beratungsmöglichkeiten des ‚Netzwerks für das Leben‘ nutzen - auf Wunsch auch anonym.“ Nach Überzeugung von Pfarrer Christoph Pompe, dem Leiter des Evangelischen Beratungszentrums in Detmold, sei allerdings noch viel Öffentlichkeitsarbeit nötig, um das „Netzwerk“ bekannter zu machen.

Zusammen mit Landesdiakoniepfarrerin Renate Niehaus, Dr. Klaus Wesseler, Chefarzt der Kinderklinik Detmold, und Inge Ernst, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Caritasverbandes Lippe-Pyrmont, stellte Pompe die Netzwerkträger und deren Beratungsangebote am Dienstag, 8. Juli, in der Detmolder Kinderklinik vor. Anlass des Gesprächs vor Journalisten war, dass im Juni eine verzweifelte Mutter ihr neugeborenes Baby vor der Tür eines evangelischen Pfarrhauses in Lage abgelegt hatte. Um Müttern in solchen extremen Situationen einen Ausweg anzubieten, war im Mai 2003 an der Detmolder Kinderklinik eine Babyklappe, das sogenannte Babykörbchen, eingerichtet worden. Im sichtgeschützten Nebeneingang der Kinderklinik kann eine Mutter ihr Kind anonym abgeben in der Gewissheit, dass der Säugling medizinisch versorgt wird.

„Das Babykörbchen ist der letzte Ausweg, wenn jemand zuvor durch alle Netze gefallen ist“, verdeutlichte Dr. Wesseler den Sinn der Einrichtung. Besser sei es natürlich, wenn es gar nicht erst zu einer anonymen Abgabe komme und die Mutter bzw. die Eltern vorher die bestehenden Hilfsmöglichkeiten nutzten. Um diese zu gewährleisten, haben sich das Diakonische Werk der Lippischen Landeskirche mit dem Evangelischen Beratungszentrum, das katholische Dekanat Bielefeld-Lippe mit dem Sozialdienst Katholischer Frauen (Detmold), die Fürstin-Pauline-Stiftung (Detmold) und das Klinikum Lippe vor fünf Jahren zu einer umfassenden Unterstützung vor, bei und nach der Geburt verpflichtet, wie Renate Niehaus und Inge Ernst darlegten. Schwangerenberatung, Beherbergung von Müttern und Kindern oder auch sozialpädagogische Familienhilfe sind Angebote, die das Netzwerk einbringt.
Die Kinderklinik Detmold gewährleistet den Betrieb des Babykörbchens. Dr. Wesseler wies darauf hin, dass die anonyme Abgabe eines Kindes in sichere Hände im Gegensatz zur Kindesaussetzung kein Straftatbestand sei. Damit seien aber nicht alle rechtlichen Probleme gelöst. Der Kinderklinik-Chefarzt gab zu bedenken, dass die derzeitige Rechtslage keine anonymen bzw. vertraulichen Geburten erlaube. Der anonymen Abgabe eines Kindes gehe in der Regel eine Geburt ohne ärztlichen Beistand voraus, was für die Mutter wie das Baby mit einem hohen Risiko verbunden sei. Dr. Wesseler schloss für das Klinikum Detmold nicht aus, dass hier trotz der Rechtslage eine Geburt ohne Namensangabe oder unter Angabe eines falschen Namens notfalls toleriert werde.

Christoph Pompe räumte ein, dass manche Adressaten der Hilfsangebote, zum Beispiel junge Frauen mit Migrationshintergrund, diese gar nicht kennen würden: „Die wenigsten wissen von diesen Einrichtungen.“ Um in dieser Hinsicht Aufklärungsarbeit zu leisten, habe man Informationsblätter auch auf Russisch und Türkisch drucken lassen und bemühe sich in Zusammenarbeit mit den kommunalen Jugendämtern, junge Leute in der Schule und außerschulisch auf die Beratungsangebote aufmerksam zu machen.

10.07.2008

  • Twitter
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Windows Live