Mit Soldaten Frieden schaffen?

Landessuperintendent Martin Dutzmann im Gespräch mit Schülern

Der Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche, Dr. Martin Dutzmann, diskutierte mit Schülern auf dem Ethiktag des Detmolder Stadtgymnasiums über „Militäreinsätze für den Frieden“.

Detmold. „Es ist ja schon verrückt genug auf andere Menschen zu schießen, aber wenn ich mir vorstelle ich treffe auf 13-jährige…?“ Leonhard Marlini hat sich gerade ein Szenario ausgemalt, in dem er als Soldat der Bundeswehr gegen Kindersoldaten kämpfen muss. „Militäreinsätze für den Frieden“ hieß eins der Themen, die auf dem Ethiktag des Stadtgymnasiums im Gemeindehaus der Martin-Luther-Kirche in Detmold (Donnerstag, 12.06.) diskutiert wurden.

15 Schüler sitzen im Kreis. Alle aus der elften Jahrgangsstufe des Stadtgymnasiums und alle männlich.

Pfarrerin Katharina Kleine-Vennekate ist die einzige Frau im Raum. Sie hat gemeinsam mit Pfarrer Björn Kruschke und den Schülern diesen Tag vorbereitet.

Pränataldiagnostik, Stammzellenforschung, Sterbehilfe, Menschenrechte oder eben auch Soldaten und Frieden sind die Themen in den Diskussionsgruppen. Neben den Schülerexperten ist auch immer ein Experte von außerhalb eingeladen.

Landessuperintendent Martin Dutzmann, der ab dem 1. Oktober zusätzlich das Amt des Militärbischofs der Evangelischen Kirche in Deutschland übernehmen wird, ist als Gast zum Thema „Militäreinsätze für den Frieden“ dabei: „Ich bin als Militärbischof nicht Vertreter der Bundeswehr. Ich bin Vertreter der Kirche und Zivilist“, erklärt er den Schülern.

Die Schülerfrage, ob und wie die Bundeswehr ihre Soldaten auf die Begegnung mit Kindersoldaten vorbereite, kann er nicht beantworten, aber er lenkt den Blick auf  grundsätzliche Fragen: „Muss man auf Gewalt auch mit Gewalt antworten? Kann man mit Gewalt Frieden sichern?“ und letztlich: „Was macht die Bundeswehr im Ausland?“

Zum Einwand eines Schülers, die Bundeswehr leiste doch hauptsächlich Aufbauarbeit, ergänzt Dutzmann: „Die Soldaten in Afghanistan stellen auch die schnelle Eingreiftruppe. Sie rechnen damit, dass sie kämpfen müssen.“

Gerade am Beispiel Afghanistan könne man aber auch sehen, dass man nur mit Soldaten wenig erreichen könne. „Militär allein schafft keinen Frieden, das ist ausgeschlossen“, erklärt Dutzmann. Aber militärische Präsenz könne einen Raum öffnen, in dem andere, zivile Organisationen für den Frieden tätig werden können.

„Eigentlich dürfte es ja gar keine Armeen geben“, wirft ein Schüler ein. Der christliche Glaube verbiete das Töten, und es gelte ja auch das Prinzip der Nächstenliebe. „Der daraus letztlich resultierende Pazifismus führt in ethisch nicht minder problematische Situationen. So richtig eindeutige Lösungen gibt es auch im christlichen Glauben nicht“, sagt Martin Dutzmann.

Militäreinsätze für den Frieden seien allenfalls das letzte Mittel, wenn alles andere nicht mehr greife. Umso wichtiger sei es, dass die Situationen, in denen man eingreife, sehr genau beschrieben würden.

Dutzmann hält eine breite öffentliche Diskussion über Auslandseinsätze der Bundeswehr für wichtig, um die Bundestagsabgeordneten bei ihrer schwierigen Gewissensentscheidung zu unterstützen.

Im abschließenden gemeinsamen Plenum meinen die meisten Schüler, dass sich gerade der Kontakt mit den Experten für sie gelohnt habe.

17.06.2008

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