Armut in den Blick nehmen

Schwerpunktthema auf der Frühjahrssynode der Lippischen Landeskirche „Armut in Lippe“

Kreis Lippe/Lage-Stapelage. Die Lippische Landessynode unterstützt die Kundgebung der EKD-Synode vom November 2006: „Gerechtigkeit erhöht ein Volk, Armut muss bekämpft werden – Reichtum verpflichtet“. Darüberhinaus plant die Lippische Landessynode die Kundgebung um lippische Konkretionen zu erweitern, erste Beschlüsse sind für die Herbstsynode 2008 vorgesehen.

Vorschläge für Konkretionen nehmen die Möglichkeiten der Lippischen Landeskirche, ihrer Gemeinden und Diakonie in den Blick und beziehen sich auf die Armutsproblematik im Kreis Lippe. Im März 2008 waren 8,61 % der lippischen Bevölkerung im ALG II-Bezug. Besonders betroffen sind Kinder, Jugendliche und alte Menschen.
Unter anderem wird die Einrichtung einer regionalen Armutskonferenz vorgeschlagen. Außerdem könne im Gespräch mit den öffentlichen Partnern  überlegt werden, wie sich für ärmere Kinder freier Eintritt in alle öffentlichen Einrichtungen (Schwimmbäder, Museen, Theater, etc.) und freie Fahrt mit allen öffentlichen Verkehrsmitteln nach dem Vorbild von Dortmund und Paderborn (Sozialticket) realisieren lassen. Weitere Konkretionen beziehen sich auf Möglichkeiten in den Kirchengemeinden.
Diese Vorschläge sind ein Ergebnis der vor einem Jahr von der Synode eingesetzten Arbeitsgruppe zum Thema Armut, berichtete Landesdiakoniepfarrerin und Ausschussvorsitzende Renate Niehaus. 
Ein weiteres Ergebnis ist die Broschüre „Hilfen für Menschen in Armut. Begleitung – Beratung –Bildung – Versorgung“ “ mit Angeboten und Adressen, die der Ausschuss zusammengetragen hat.
 
Impulsreferat „Armut überwinden – in Arbeit und Gerechtigkeit investieren“
 
Wachsende Armut auf dem Höhepunkt der Reichtumsentwicklung ist ein Skandal, stellte Dr. Wolfgang Gern vom Diakonischen Werk Hessen-Nassau zu Beginn der Beratungen in seinem Impulsreferat fest. „Sie schränkt auf Dauer die Entfaltungsmöglichkeiten vieler Familien mit ihren Kindern ein.“  Laut drittem Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung sei jeder vierte Bundesbürger arm oder von Armut bedroht, insbesondere betroffen seien Kinder in Haushalten von Alleinerziehenden und Familien mit Migrationshintergrund. Gern fordert unter anderem eine andere Arbeitsmarkt-, Verteilungs- und Wirtschaftspolitik: „Angesichts des Zusammenhangs von Armut und Reichtum ist es notwendig, den Niedriglohnsektor samt der nicht existenzsichernden Arbeit einzugrenzen. Man muss von seiner Arbeit leben können.“  

13.06.2008

  • Twitter
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Windows Live