„Keine Spielwiese der Beliebigkeit“

Podiumsdiskussion zur Kirche der Zukunft

Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann und seine Amtsvorgänger Dr. Ako Haarbeck und Dr. Gerrit Noltensmeier diskutierten über „Kirche der Zukunft, Zukunft der Kirche“. Die Moderation lag bei Pfarrer Nils Huchthausen. (von links)

Detmold. Am 12. Januar 1908 wurde die Christuskirche am Kaiser-Wilhelm-Platz in Detmold eingeweiht. Auf den Tag genau begann die evangelisch-reformierte Gemeinde die Geburtstagsfeierlichkeiten am Freitagabend mit einer Podiumsdiskussion. Hausherr Pfarrer Nils Huchthausen konnte dazu den Landessuperintendenten der Lippischen Landeskirche, Dr. Martin Dutzmann, sowie seine Amtsvorgänger Dr.
Gerrit Noltensmeier und Dr. Ako Haarbeck auf dem Podium begrüßen. Thema: „Kirche der Zukunft, Zukunft der Kirche“.

„Wir haben einen Traditionsabbruch. Die Gesellschaft wird immer pluralistischer, Kirche muss sich einordnen in einen großen Markt von Sinnanbietern“, beschrieb Pfarrer Nils Huchthausen zu Beginn der Diskussion die Lage der Kirche im gesamtgesellschaftlichen Umfeld. Wenn der Trend so weitergehe, habe man statt jetzt etwa 200.000 im Jahre 2030 nur noch 140.000 Gemeindeglieder in Lippe.

Eine Entwicklung, die in der Lippischen Landeskirche zu einigen Konsequenzen geführt hat. „Wir sind einfach in einer sehr schwierigen Situation“, sagte Dr. Martin Dutzmann. Die Reduzierung von Pfarrstellen sei dafür ein Ausdruck. Man müsse sich zukünftig auf das Wesentliche konzentrieren, und beispielsweise fragen, ob es Tätigkeiten gebe, die jemand anders genau so gut oder besser tun könne als der Pastor. In diesem Zusammenhang sei die Mitarbeit der Gemeindeglieder unverzichtbar, auch weil die Zahl der Pfarrer abnehme, man aber die Zahl der Gottesdienste konstant halten wolle. „Es gibt bereits unendlich viele Menschen, die unentgeltlich mittun“, stellte Dutzmann fest. Die Verkündigung sei keine „Spielwiese der Beliebigkeit“, ergänzte Noltensmeier, aber „Treue und Phantasie“ könne zu vielfältigen neuen Formen führen.

Zur künftigen Stärkung des Profils der Lippischen Landeskirche gehöre es auch, Diakonie und Kirche wieder enger miteinander zu verbinden. Gerrit Noltensmeier: „Wir haben vielleicht beides zu sehr zur Sache von Fachleuten gemacht“. Diakonie sei aber Lebensäußerung der Kirche, und man habe gelernt, dass Kirche in diakonischen Einrichtungen mehr präsent sein müsse.

Die Diskussionsteilnehmer forderten auch gesamtgesellschaftlich ein von Selbstbewusstsein getragenes Bekenntnis der Christen zu ihrem Glauben.

Aber zu der, von außen an die Kirche herangetragenen, Forderung „mehr Werte zu vermitteln“, meinte Dutzmann: „Das ist nicht unsere Aufgabe. Wir haben das Evangelium von Jesus Christus auszurichten. Es ist nicht so, dass wir die Werte irgendwo aus einem Topf holen und präsentieren können.“

Es bleibe aber auch in Zukunft eine Aufgabe der Kirche, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, sagte Noltensmeier. „Was uns in den kommenden Jahren sehr in Anspruch nehmen wird, sind alle ethischen Fragen am Anfang und am Ende des Lebens“, prognostizierte er.

In einer Nivellierung unterschiedlicher Konfessionen oder der Beseitigung von Konfessionsgrenzen sah aber keiner der Diskussionsteilnehmer eine langfristige Perspektive für die Kirche. Dr. Ako Haarbeck sprach von einem „guten streitbaren Miteinander“,  Noltensmeier von einer „Ökumene der Profile“ und von „versöhnter Verschiedenheit“.

Eines sei aber relativ sicher: „Die Kirchenräume der Zukunft werden nicht wesentlich anders aussehen als die der Gegenwart“, so Dutzmann.

Und für die wünscht sich Dr. Gerrit Noltensmeier, dass sie vor allem eins sind: „Orte der Sammlung, an denen wir für einen Moment die Augen schließen, und uns auf das einlassen, was das Leben trägt.“

14.01.2008

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