Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann

Herbstsynode in Stapelage

Lippische Landeskirche will 2008 Fragen der Migration bedenken

Kreis Lippe/Lage-Stapelage. Unter der Überschrift „Fremde. Heimat.Lippe.“ will die Lippische Landeskirche im kommenden Jahr in verschiedenen Veranstaltungen Fragen der Migration behandeln. Das kündigte Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann im Rechenschaftsbericht des Landeskirchenrates heute zum Auftakt der Herbstsynode im Tagungshaus Stapelage an.

Dazu gehöre der Blick auf die notwendige Integration von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte ebenso wie die Erinnerung an jene, die nach 1945 ihre Heimat verloren und sich in Lippe niederließen.

Das gemeinsame Thema befördere die Einheit der Kirche, die von Jesus der Kirche aufgetragen sei. Die Einheit der Kirche sei kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung für ein glaubwürdiges missionarisches Zeugnis, das abzulegen die Kirche berufen sei: Dutzmann: „Deshalb ist alles zu fördern, was die Kirche Jesu Christi in Lippe, in Deutschland und in der Welt eint“.

Auch das landeskirchliche Referat Jugend-, Frauen- und Bildungsarbeit befördere die Einheit der Kirche: „Der Unterstützung der Gemeinden im Bildungsbereich wird – das hat die Befragung der Kirchenvorstände im Vorfeld der Zukunftswerkstatt ergeben – in Zukunft gesteigerte Bedeutung zukommen.“

Die neugegründete Evangelische Gemeindestiftung Lippe sei eine Finanzierungsquelle für die Zukunft. „Uns stärkt die Stiftung dadurch, dass sie eine gemeinsame Anstrengung von Landeskirche und Gemeinden ist.“

Bemühungen um die Einheit der Lippischen Landeskirche seien weiterhin sichtbar in der Solidarität von Kirchenvorständen und Pfarrern bzw. Pfarrerinnen, von denen Sparbeschlüsse und Kürzungen mitgetragen würden. Denn obwohl in diesem Jahr die Kirchensteuer in „erfreulicher und unerwarteter Höhe“ eingegangen sei, werde der Finanzdezernent in seiner Haushaltsrede kein Signal der Entwarnung geben: „Die Mehreinnahmen sind nämlich erkennbar durch die gute Konjunktur bedingt und durch die Entwicklung unserer Mitgliederzahlen nicht gedeckt. Mit anderen Worten: Wir haben uns weiterhin darauf einzustellen, dass unsere Einnahmen mittelfristig drastisch sinken, während die Aufwendungen für die Versorgung von Pfarrern und Kirchenbeamten drastisch steigen werden.“

 

Die Bemühungen um die Einheit der Kirche spiegele sich auch im Miteinander evangelischer Kirchen, in den konfessionellen Bünden und in der EKD wider.

So bereite der Reformierte Bund derzeit den 500. Geburtstag des Schweizer Reformators Johannes Calvin im Jahr 2009 vor. Das Calvin Jahr sei auch für die mehrheitlich reformierte Lippische Landeskirche eine gute Gelegenheit, sich ihrer theologischen und historischen Wurzeln aufs Neue zu vergewissern: „Wir werden versuchen, möglichst viele regionale Veranstaltungen zu Leben, Werk und Bedeutung von Johannes Calvin anzubieten.“

Die Impulse durch den Reformprozess der Evangelischen Kirche in Deutschland (Impulspapier „Kirche der Freiheit“ und Zukunftskongress Wittenberg) werde die Lippische Landeskirche in ihrem Prozess „Perspektiven für ein Jahrzehnt“ aufgreifen. Zugleich werde es darauf ankommen, Kompetenzen zu bündeln und Kompetenzzentren sichtbar zu machen und auszubauen.

 

„Alle, die an Jesus Christus glauben, sollen eins sein. Deshalb haben wir uns wieder nach Kräften um die Gemeinschaft mit der römisch-katholischen Kirche bemüht.“ Einerseits sei dieses Bemühen durch die Erklärung der wechselseitigen Anerkennung der Taufe in einem Festgottesdienst im April im Dom zu Magdeburg unterstützt worden. Doch die aufkeimende Hoffnung sei schnell gedämpft worden durch die Veröffentlichung der römischen Kongregation für die Glaubenslehre „Antworten auf  Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“ vom 10. Juli 2007.  In diesem Dokument werde die Feststellung wiederholt, die evangelischen und andere „kirchliche Gemeinschaften“ seien nicht „Kirchen im eigentlichen Sinn“, weil ihr Amtsverständnis von dem der römisch-katholischen Kirche abweiche. Landessuperintendent Dutzmann: „Kirchenpolitisch werden wir gelassen bleiben. Was die Kirche Jeus Christi ist, wird letztlich nicht durch die römische Glaubenskongregation definiert sondern durch die Heilige Schrift.“ Seelsorgerlich sei die Erklärung allerdings mehr als beschwerlich, weil sie in den Menschen, die sich in ihrer Ehe und  in den Gemeinden für ökumenische Verständigung einsetzten, Unsicherheit und Zweifel an den eigenen Bemühungen nähre. In Lippe gebe es aber viele Beispiele gelingender Ökumene, eines davon sei der geplante Ökumenische Kirchentag in Lippe 2008. „Es ist zu hoffen, dass der ökumenische Kirchentag die von Christus gegebene Einheit der Kirche spüren lässt und dazu hilft, dass wir uns mit der von Menschen gemachten Trennung der Kirchen nicht abfinden.“

 

In den Außenbeziehungen der Kirche hingegen gehe es nicht um Einheit sondern um Dialog und Verständigung, um Kooperation und Partnerschaft: „Mit Angehörigen anderer Religionen werden wir den Dialog suchen, der Gemeinsames nennt und stärkt, Trennendes nicht verschweigt und durch konstruktive Kritik den Respekt vor dem Gegenüber zum Ausdruck bringt.“  In den Bemühungen um den Dialog mit dem Islam sei in der Praxis in den Kirchengemeinden von besonderer Bedeutung, ob Christen und Muslime trotz unterschiedlichen Gottesverständnisses zusammen beten können. Hier erscheine das multireligiöse Gebet, also das Beten nebeneinander oder in Anwesenheit des anderen, möglich.  Dies zu verbieten, wie im Erzbistum Köln geschehen, „kann unser Weg nicht sein. Als evangelische Kirche werden wir sagen und zeigen, wer wir als Christen sind – auch im Gegenüber zu Menschen muslimischen Glaubens.“

Zwischen Staat und Kirche sei eine Partnerschaft anzustreben und zu pflegen. „Dabei ist darauf zu achten, dass die kritische Distanz bewahrt bleibt, die es der Kirche ermöglicht, die Regierenden, aber auch die Regierten an ihre Verantwortung zu erinnern.“ Das bedeute zum Beispiel auch, dass die Sorge um den rasant voran schreitenden Klimawandel die Kirche nicht unbeteiligt lassen dürfe. „Von Gott ist uns geboten, seine Schöpfung zu bebauen und zu bewahren, damit wir unseren Nachkommen keinen ruinierten Planeten hinterlassen.“ Das habe die Kirche den politisch Verantwortlichen gegenüber unbeirrt und wenn es sein muss auch penetrant zum Ausdruck zu bringen.

Man erhoffe sich weiterhin vom Staat eine korrekte öffentliche Darstellung des Sachverhaltes, wenn es um die Finanzierung von Kindertagesstätten geht: „Es ist die Aufgabe des Staates, für die allgemeine Bildung seiner Bürgerinnen und Bürger zu sorgen. Dazu bedient er sich, dem Subsidiaritätsprinzip folgend, der Angebote freier Träger, so auch der Kirchen.“ Die hätten sich in der Vergangenheit als verlässliche Partner und Ko-Finanzierer von Kindertagesstätten erwiesen. Mit dem neuen Kinderbildungsgesetz (KiBiZ) werde der Trägeranteil der Kirchen an den von ihr getragenen Kindertagesstätten endlich gesenkt. Dafür könne die Landesregierung allerdings nicht die Dankbarkeit der Kirchen erwarten. Die Kooperation mit dem Staat bei der Wahrnehmung der Bildungsverantwortung wollen die Kirchen auch künftig in verlässlicher Weise wahrnehmen. Das sei aber nur möglich, wenn die finanzielle Belastung tragbar  bleibe.

26.11.2007